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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 53. Band, (Jahrgang 1866)

Analecta  aus  der  chinesischen  Pathologie.  567
Man  behandelt  dies  in  jedem  einzelnen  Falle  nach  den  Erscheinungen. ­

(Erklärung.)  Die  Lilie  hat  hundert  Blumenblätter  auf  einem
einzigen  Fruchtboden,  gleichwie  der  Mensch  hundert  Adern  in  einem
einzigen  Stammhaus  hat.  Der  gegebene  Name  und  die  gewählte  Behandlung ­
  sind  in  diesem  Sinne  zu  verstehen.  Die  Lilienkrankheit  hat
die  Bedeutung,  dass  die  hundert  Adern  des  Menschen  als  ein  einziges ­
  Stammhaus  insgesammt  die  Krankheit  zu  Wege  bringen.  Es
heisst:  die  hundert  Adern  sind  eine  einzige  Ader,  gleichwie  man
sagt,  dass  die  hundert  Gebilde  des  Leibes  ein  einziges  Gebilde  sind.
Man  spricht  nämlich  von  den  Adern,  in  dem  Umfange  des  Leibes.
Spricht  man  von  den  Adern  welche  sich  in  dem  ganzen  Umfange  des
Leibes  theilen,  so  sagt  man:  hundert.  Spricht  man  von  ihnen,  wie  sie
sich  vereinigen,  so  sagt  man:  ein  einziges.  Deswegen  heisst  es:  die
hundert  Adern  als  ein  einziges  Stammhaus.  Oder  es  heisst:  die  Lilienkrankheit ­
  (die  Krankheit  der  hundert  Vereinigungen)  ist  eine
Krankheit  sämmtlicher  Adern.
Die  Adern  bedeuten  die  Adex-n  der  zwölf  Gewebe  und  die
Adern  der  dreihundert  fünf  und  sechzig  Fäden.  Nach  grossen  Krankheiten ­
  der  Erkältung  bat  sieb  die  zurückgebliebene  Hitze  noch  nicht
gelöst,  die  hundert  Adern  sind  noch  nicht  im  Einklang.  Bisweilen  ist
dann  bei  Wohlbefinden  vieles  und  unaufhörliches  Nachdenken,  die
Wünsche  und  Gedanken  werden  nicht  erfüllt.  Bisweilen  ist  zufälliges ­
  Zusammenstossen,  Schrecken,  Zweifel,  plötzliches  Herniederblicken ­
  und  Begegnen  von  Schattenbildern.  Bei  diesen  Anlässen  erkranken ­
  Körper  und  Geist,  deswegen  sind  solche  augenscheinliche
Zeichen  vorhanden.
Die  hundert  Adern  umgeben  den  Leib.  Wenn  die  Adern  erkranken, ­
  ist  der  Leib  erkrankt.  Deswegen  ist  es,  als  ob  Körper  und
Gestalt  im  Einklang  wären,  und  doch  sind  sie  nicht  im  Einklang.
Wenn  man  liegen  will,  ist  man  nicht  im  Stande  zu  liegen.  Wenn
man  gehen  will,  ist  man  nicht  im  Stande  zu  gehen.
Die  hundert  Adern  verkehren  mit  dem  Herzen.  Wenn  die
Adern  erkranken,  ist  das  Herz  erkrankt.  Deswegen  ist  der  Kranke
beständig  schweigsam.  Es  ist,  als  ob  ihm  kalt  wäre,  und  doch  ist
keine  Kälte.  Es  ist,  als  ob  ihm  heiss  wäre,  und  doch  ist  keine  Hitze.
Es  ist,  als  ob  etwas  von  aussen  einwirkte,  und  doch  sind  keine
äusseren  Einwirkungen.
            
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