Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 53. Band, (Jahrgang 1866)

48

R  o  e  s  1  e  r

vor  jeder  Arbeit  sieb  scheuenden  avarischen  Nomaden  die  Gewandtheit ­
  und  Thätigkeit  geschickterer  Völker,  die  ihnen  dienstbar  waren,
in  Anspruch  nahmen.  So  Hessen  sie  sich  von  Langobarden  und  Slaven
Schiffe  hauen;  warum  nützten  sie  nicht  jene  römische  Cultur  aus,  die
in  ihren  angeblichen  dacischen  Unterthanen  fortleben  musste.
Von  jetzt  an  trennte  ein  wüster,  herrenloser  Raum  die  fränkische
Herrschaft  von  der  auch  auf  das  nördliche  Donauufer  sich  hinziehenden
bulgarischen  ').  Noch  am  Abende  der  Regierung  des  grossen  Fraukenkaisers ­
  erstand  den  Bulgaren  in  Krum  ein  gefürchteter  König
(802—813).  Weite  Verheerungen  im  griechischen  Reiche  gingen
von  ihm  aus,  das  zehnfach  bereits  ausgeplünderte  und  mit  neuer
Bevölkerung  immer  und  immer  wieder  auflebende  Thracien  erfuhr
die  Wut  der  bulgarischen  Nachbarn.  Im  Jahre  813  führte  man  die
Einwohner  von  Adrianopel  und  seiner  schönen  Umgegend  über  die
Donau  hinüber,  andere  fünfzig  tausend  schleppte  man  im  nächsten
Jahre  fort.  Wir  wissen  weder,  von  welchem  Stamme  die  Unglücklichen
waren,  die  man  ihrer  Heimat  entriss,  noch  wohin  man  sie  verpflanzte.
Chr.  Engel  wollte  in  ihnen  die  Romanen  erkennen,  die  er  von  jetzt  an
auf  dem  norddanubisehen  Ufer  wohnen  lässt.  Vom  Wandertriebe  erfasst, ­
  diesem  geistigen  Sturme,  der  die  Nomadenvölker  oftmals  ergreift
und  unwiderstehlich  in  die  Ferne  treibt,  rückte  damals  eine  finnische
Nation,  die  Magyaren  oder  schwarzen  Ugrer  vom  Ural  her  gegen
den  Westen,  dessen  Geissei  sie  werden  sollten.  Zuerst  bedienten  sich
ihrer  die  Franken  gegen  die  mährischen  Slaven  (892)  und  sodann
die  Byzantiner  gegen  die  Bulgaren.  Diese  waren  bis  Konstantinopel
vorgedrungen  und  die  alte  Politik  des  Hofes,  einen  Feind  durch  den
andern  zu  besiegen,  erwies  sich  als  geeignete  Auskunft,  der  Gefahr  zu
zu  begegnen.  Kaiser  Leo  der  Weise  (889  —  912)  liess  die  Ungarn
auf  griechischen  Schiffen  über  die  Donau  setzen.  Nach  drei  Niederlagen ­
  war  der  Bulgarenkönig  Symeon  zum  Frieden  mit  Byzanz  gebracht. ­
  Beuteheladen  kehrten  die  Sieger  heim,  um  im  nächsten  Jahre
Pannonien,  das  ihnen  jetzt  schon  nicht  fremd  war,  auszuplündern.
Aber  die  Bulgaren  hatten  die  wilden  Gäste  nicht  vergessen,  sie
regten  ihnen  die  Petschenegen  auf,  einen  türkischen  Stamm,  der

i)  König  Aelfrcd  in  Dahlmann,  Forschungen  zur  deutschen  Geschichte.  I.  419.
Die  BouVyapta  sxstSsv  ~o0  "I^rpoo  bei  den  Byzantinern  öfter  genannt,  so
hei  Georg.  Mon.,  Leo  Grammat.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.