Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 53. Band, (Jahrgang 1866)

46

R  o  e  s  1  e  r

zahlloser  Menschen  entfernten  sie  zum  grossen  Theile  die  alte  Bevölkerung, ­
  an  deren  Stelle,  die  slavisehe  trat.  Seit  der  Mitte  des  6.,
während  des  Verlaufes  des  7.  und  S.  Jahrhunderts  änderte  sich  der
Volkscharakter  des  oströmischen  Reiches  durchaus  und  erhielt  von
den  Donauufern  his  an  die  Bergwälle  des  Taygetus  gänzlich  slavisehes
  Gepräge.  Es  ist  eine  Zeit,  wo  von  Arkona  an  der  Ostsee  his
Matapan  ununterbrochene  Ansiedlungen  slavischer  Völker  den  Continent
  erfüllen.  Sklavinien  nennen  die  byzantinischen  Chronisten
ihre  Bezirke  im  Norden,  wie  im  Süden  der  Donau  *).
Damals  müssen  auch  die  römischen  oder  lateinischen  Unterthanen
des  griechischen  Reiches,  und  solche  gab  es  gewiss  noch  in  den
beiden  Mösien  und  im  aurelianisehen  Daeien,  furchtbar  gelitten
haben.  Wir  wissen  wie  sich  die  Wut  der  Barbaren  —  die  slavisehe
Kriegsfurie  ist  sich  zu  aller  Zeit  gleich  gebliehen  —  gerade  in  der
Zerstörung  der  Städte  äusserte.  Der  Slave  liebte  es  auf  dem  Lande
zu  wohnen,  Schonung  städtischer  Ansiedelung  war  ihm  durchaus  fremd.
In  den  kurzen  und  wenigen  Zeilen,  welche  die  grosse  Veränderung
im  Reiche  melden,  lesen  wir  einmal  ausdrücklich  die  Namen  Singidunum
  (Belgrad)  und  Anchialos  -)  unter  den  verwüsteten  Plätzen.
Seit  ungefähr  590  wurden  die  Slaven  Südungarns  den  Avaren
unterthan;  in  der  Moldau  und  Walachei  blieben  sie  wie  es  scheint
frei.  Einer  ihrer  mächtigen  Häuptlinge  Muzok  wurde  von  den  Byzantinern ­
  durch  List  gefangen  genommen.  In  diesen  Heereszügen  der
byzantinischen  Feldherren  Priscos  und  Petros  (590—  596)  gegen
die  Slaven  des  alten  Daciens  werden  von  Theophanes,  der  unsere
Quelle  ist,  dacische  Römer  nirgends  genannt,  obgleich  man  seihst
dreier  GepidendörfeV  Erwähnung  thut  °).
Bald  tritt  noch  ein  anderer  Stamm  auf  den  Schauplatz,  die
Bulgaren.  Diese  ein  Zweig  der  grossen  finnischen  Familie,  alt—
Q  Seit  dem  8.  Jahrhundert  bei  Theophanes,  Nicephor.  Patriarcha,  Cedrenus.
3 )  Euagr.  Schol.  Histor.  Eeeles.  VI,  10.  To-jrcov  «äs  ^tnpoüvrwv  ol  "A/Sapss
(d.  i.  die  Slaven)  die  p-ixpi-  voö  xaXciupivou  paxpoö  7ciy_ov(  OteXacavves,
2t77töo'va,  W'i'/j,yX'j'i  -s,  xal  tw  'EXXäöa  Ttäoav  xal  hepag  no'Xeic  ~e  xal
fpovpia  E^e^oXiöpxvjt7av  xal  ävdpajrodtaavro,  äiroXXövrsj  ajravva  xal  KvpiroXoOvTsg.
  Einen  Einfall  des  Jahres  588  erwähnt  Menander,  De  Iegat.  lib.  II.
p.  84,  Merä  ös  rd  reraprov  Tißspiov  Kcovoravvlvou  Kataap&e  iv  r-p  Opäxv;
ro  2jxXa|3vjv5>v  o;  p.f/pt  tcov  y  iXtadojv  ixardv  0pt£xvjv  xal  aXXa
iroXXa  Xvjtaaaäat.
3 )  Theophylact.  8,  3.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.