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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 53. Band, (Jahrgang 1866)

Dacier  und  Romanen.

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Icli  kann  zwar  schwer  einsehen,  worauf  sich  diese  Meinung  gründet;
aber  zugegeben,  so  folgt  aus  ihr  nur  dass  die  völlige  Verfassung
Daciens  noch  geraume.  Zeit  nach  dem  Abzüge  der  Truppen  fortdauerte. ­
  Es  ist  aber  doch  wohl  anzunehmen,  dass  die  friedliche
Bevölkerung  von  Stadt  und  Land  sich  beeilt  haben  wird,  die  unsicher
gewordene  Heimat  unter  dem  Schutze  der  Legionen  zu  verlassen,
um  nicht  den  Gewalttätigkeiten  der  Gothen  völlig  überliefert  zu
werden.  Und  für  diese  Auffassung  entbehren  wir  auch  nicht  eines
Zeugnisses,  welches  ich  für  sehr  erläuternd  und  wichtig  ansehe.
Lactantius,  der  den  Feinden  und  Verfolgern  des  Christentums  unter
den  Heiden  eine  heftige  Schmähschrift  gewidmet  hat,  spricht  unter
andern  auch  von  Maximianus,  der  im  .T.  296  als  Mitregent  Diocletians
den  kaiserlichen  Thron  bestiegen.  Dieses  wilde  Thier,  sagt  er  war
von  einer  angebornen  Barbarei,  und  einer  ganz  unrömischen  Wildheit.
Was  Wunder  auch,  seine  Mutter  von  jenseits  der  Donau  zu  Hause,
war  vor  dem  Einbrüche  der  Carpen  über  den  Fluss  in  das  neue  Dacien
geflohen  ').  Also  schon  vor  der  Verfassung  des  nördlichen  Daciens
durch  Aurelian  ergriff  man  zuweilen  die  Flucht  vor  den  nordischen
Barbaren,  denn  Maximian  erlangte  seine  hohe  Würde  bereits  im  männlichen ­
  Alter  und  im  Jahre  296  waren  erst  16  Jahre  seit  Aurelians  vielgenannter ­
  Massregel  vergangen 3 ).  Bald  nachher  (278)  nahm  Kaiser
Prohus  auch  grosse  Scharen  von  Bastarnern,  Gepiden,  Greuthungen
und  Vandalen  aus  Dacien  nach  dem  Boden  Illyricums  hinüber  s).
Diejenigen  nun,  welche  die  Annahme  einer  fortdauernden  römischen ­
  Bevölkerung  in  Dacien  vertreten,  theilen  sich  in  zwei  Gruppen  :
die  einen  begnügen  sich  damit,  die  römischen  Provincialen  in  das  Gebirge ­
  flüchten  zu  lassen,  um  dort  ihre  Freiheit  zu  bewahren;  die  anderen
und  darunter  Petru  Maior,  lassen  sie  consequenter  ungestört  in  Thal
und  Ebene  in  den  bisherigen  Besitzen  und  Niederlassungen  4 ).  Gegen
1)  Lactantius,  De  mortibus  persecutorum  c.  9.
3 )  Wenn  man  annimmt,  dass  Maximian’s  Mutter  vor  der  Geburt  ihres  Sohnes
aus  Dacien  entwich,  so  ist  wohl  kein  anderer  Einbruch  der  Carpen,  als  der
unter  Maximus  237  zu  verstehen.
3 )  Pallmann,  Geschichte  der  Völkerwanderung  1,  59  lasst  unter  den  von  Vopiseus
  im  Probus  c.  18  genannten  Haufen  auch  gotische  (?)  und  dacisehe
Völkerschaften  nachThracien  ziehen,  aber  der  Bericht  sagt  davon  nichts.
Siehe  auch  Zosim.  1,  71.
4 )  Auch  Gibbon,  History  of  the  deeline  and  fall  of  the  Roman  Empire  c.  11
gibt  dieser  Hypothese  Ausdruck.
            
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