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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 53. Band, (Jahrgang 1866)

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li  o  e  s  1  e  r

gisch  waren  die  Einrichtungen  des  grossen  Eroberers  und  die  politische ­
  Thätigkeit  der  Römer  betrieb  Colonisirungen  mit  genialer
Routine.  Allein  schon  nach  einem  Jahrhundert  sank  die  Stärke  des
Staates,  die  Grenzen  im  Norden  erbebten  von  unausgesetzten  Angriffen ­
  und  Bedrohungen  der  drängenden  Nachbarn  und  seit  dem  Auftreten ­
  der  Gothen  am  schwarzen  Meere  vor  238  ')  genoss  Dacien
keine  dauernde  Ruhe  mehr.  Aurelian  (270  —  273)  erschien  es  bereits ­
  eine  unmögliche  Aufgabe,  die  Vertheidigung  der  weit  hinausgeschobenen, ­
  zum  Tummelplatz  der  Gothen  und  Vandalen  gewordenen ­
  Provinz  fortzusetzen  und  er  beschloss  sie  zu  räumen.  Die  ganze
reiche  Cultur,  die  hier  ihren  Sitz  aufgeschlagen,  wurde  mit  einem
Schlage  geopfert  und  wieder  verschlang  für  ein  Jahrtausend  die
Barbarei  jene  fruchtbaren  Länder;  ihre  Städte  sanken  in  Schutt,  die
verödeten  Wohnplätze  wurden  ein  kostbarer  Reliquienhort  für  die
Nachwelt.
Dass  aber  ein  so  kräftiger,  oftmals  siegreicher  Monarch  wie
Aurelian  diese  Räumung  befahl,  ist  ein  Beweis  für  ihre  Unabwendbarkeit. ­

Die  Räumung  des  Landes  wird  als  eine  vollständige  bezeichnet;
die  kurzen  Zeilen,  welche  die  Thatsache  verewigen,  lauten:  Aurelian
führte  die  Römer,  das  Heer  wie  die  Provineialen,  aus  den  Städten
gleichwie  vom  flachen  Lande  hinweg,  und  siedelte  sie  in  der  Mitte
des  jenseitigen  Moesiens  an,  das  von  nun  an  den  Namen  Dacia  empfing.
Wenn  nämlich  schon  der  Umläng  des  Reiches  geschmälert  werden
musste,  so  sollte  die  Anzahl  der  Provinzen  keine  Verringerung  erfahren ­
  ~).  Würde  das  kaiserliche  Ceremoniel  den  mittelaltrigen  Ge-')

  Den  chronologischen  Nachweis  siehe  hei  Bessell,  Ersch  und  Gruber's
Encyclopädie,  Bd.  75,  Art.  Gothen.
2 )  Flavius  Vopiscus  39.  Cum  vastatum  lilyricum  ac  Moesiam  deperditam  viderct
  (Aurelianus),  provinciam  (raus  Danubium  Daciain,  a  Traiano  constitutam,
  sublato  exercitu  et  provincialibus  rcliquit,  desperans,  eam
posse  retineri,  abductoque  ex  ea  populos  in  Moesia  collocavit,  appellavitque
  novam  Daciam,  quae  nune  duas  Moesias  dividit.
Die  Stelle  des  Sextus  Rufus  im  Brev.  ist  noch  dürrer:  Dacia  Gallieno
Imperatore  amissa  est  et  per  Aurelianum  translatis  exinde  Romanis  duae
Daeiae  in  regionibus  Moesiae  et  Dardaniac  factae  sunt.  Und  Eutrop.
9,  15  verrät  deutlich  dass  Flav.  Vopiscus  seine  Vorlage  gewesen.  Provinciam
  Daciam,  —  infermisit  vastato  omni  Ulyrico  et  Moesia  desperans  eam
            
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