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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 53. Band, (Jahrgang 1866)

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R  o  e  s  1  e  r

verdächtig,  dass  unter  ihnen  die  echt  celtischen  Ortssuffixe  -bona,
-dumm,  -durum,  -magus,  -nemetum  durchaus  fehlen,  während  das
dacisclie  -dura  auf  erwiesen  celtischem  Hoden  nirgend  gefunden  wird.
So  bleibt  das  Celtenthum  der  Dacier  bis  jetzt  eben  so  urierwiesen,
als  das  der  Agatliyrsen  oder  Bastarner.  Eher  wären  die  Bronzealterthiimer
  einem  der  den  Daciern  unterworfenen  Völker  zuzuschreiben. ­


VIII.
Aus  dem  Verlaufe  dieser  Darstellung  ist  ersichtlich  geworden,
an  welchen  Irrtümern  die  Hypothese  leidet,  welche  die  Geten  und
Dacier  in  den  germanischen  Völkerkreis  einzubeziehen  trachtet,  wie
schwach  und  mangelhaft  die  Gründe  derer  sind,  welche  die  beiden
Völker  zu  Gliedern  des  celtischen  Stammes  zu  erklären  wünschen;
wir  betrachten  noch  die  Ansicht,  welche  einen  Zusammenhang  mit
der  grossen  Völkerwelt  der  Slaven  plausibel  findet.
Mit  all  der  Naivetät  und  tastenden  Unsicherheit,  welche  Sprachuntersuchungen
  des  achtzehnten  Jahrhunderts  so  häufig  cliarakterisirt,
  sprach  sich  für  das  Slaventum  der  Geten  und  Dacier  Katancsich
aus  '):  „Die  Namen  der  Dacier  und  Mysier  sind  einheimische.  Die
Geten  bezeiehneten  die  Dacier,  da  diese  die  jüngeren  waren,  als
Knaben.  Djete,  ein  bis  auf  den  heutigen  Tag  bei  den  Illyriern  gebrauchter ­
  Ausdruck,  bedeutet:  Jüngling.  Die  Dacier  hingegen  nannten
die  Geten  mit  dem  Ehrennamen:  die  Älteren.  So  benennen  in  der
Anrede  die  Illyrier  noch  gegenwärtig  einen  alten  ehrwürdigen  Mann
mit  dem  Worte  Dako“.  Unter  diesen  Illyriern  versteht  Katancsich
auf  das  Willkürlichste  die  Slaven,  während  doch  die  illyrischen  Völker
des  Altcrlhums  mit  den  Slaven,  die  man  in  ihrem  südlichen  Sprachgebiete ­
  zum  Tlieil  jetzt  auch  Illyrier  nennt,  nicht  das  Geringste  gemein
haben.  Die  eine  Anführung  genügt.  Wo  wird  sich  eine  Sprache  finden,

')  Istri  accolae  II,  284.  Nomen  Dacorum  uti  Mysorum  domesticum  est,  Geta;
Dacos  utpote  iuniores  vocabant  pueros,  Djete  quippe  vox  usque  hodie
apud  Illyrios  usitata  adolescentem  notat.  Daci  Getas  senioruni  vocabulo
honorabant:  Dako  casu  vocandi  honoratiorem  quemvis  et  graviorem  virum
adpellamus.
            
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