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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 53. Band, (Jahrgang 1866)

Dacier  und  Romanen.

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lieh  bei  den  Linguisten  gefunden  hat').  Aber  zu  wünschen,  dass  eine
wichtige  Neuerung,  wenn  nicht  zur  Evidenz,  so  doch  zu  hoher
Plausibilität  gelange,  bevor  wie  sie  annehmen,  ist  nicht  „Misgunst
über  Störung  in  gewohnten  Kreisen“,  sondern  eine  in  der  Altertumswissenschaft ­
  und  Ethnographie  überaus  gebotene  Vorsicht  2).
VI.
Noch  wollen  wir  hier  die  Vermischung  der  beiden  Namen  Geten
und  Gothen  in  ihrem  historischen  Gange  verfolgen.  Erst  in  einem
Zeitalter,  wie  das  vierte  Jahrhundert,  in  dem  Gelehrsamkeit  und
Geschmack  schon  tief  gesunken  waren,  ist  es  historischen  Compilatoren
  der  geringsten  Sorte  begegnet,  die  zwei  verschiedenen  Völker
11m  einer  Namensähnlichkeit  willen  zusammenzuwürfeln.  Die  ersten,
von  denen  dies  notorisch  ist,  waren  Aelius  Spartianus  im  Leben
Caracallas  und  Flavins  Vopiseus  im  Leben  des  Probus 3 ):  zwei  der
allerschlechtesten  Historiker  der  sinkenden  Latinität.  Das  gleiche  Versehen ­
  beging  der  Kaiser  Julianus,  von  dem  man  historische  Gelehrsamkeit ­
  nicht  ansprechen  wird 4 ).  Mit  Eifer  traten  die  Dichter  in  die
neuen  Fussstapfen;  ihnen,  denen  der  Wechsel  des  Ausdruckes  so
angenehm  ist,  musste  der  leichteste  Fingerzeig  genügen.  Man  weiss,
was  die  Dichter  der  klassischen  Zeit,  Horaz,  Ovid  u.  a.  in  kühnen  ethnographischen ­
  Gruppirungen  geleistet  haben.  Ovid,  der  die  Umgebung
von  Tomis  gewiss  kannte,  versteigt  sich  einmal  dazu,  Colchier  als
deren  Bewohner  zu  nennen,  die  allen  Nachrichten  zufolge  dort  niemals ­
  weilten.  In  Lucans  Versen  wandern  die  hinnenthracischen
Bessen  an  der  Mäotis  (Meer  von  Asow).  Nach  Tihull  bewässert  der
Hebrus  gotische  Fluren  und  Statius  feiert  des  Orpheus  „getische“
Leier 5 ).  Was  Wunder,  dass  die  manierirten  Dichter  des  vierten  und
fünften  Jahrhunderts  diesem  Herkommen  reiche  Opfer  zollten,  so
t)  Sehr  vorsichtig  iiussert  sich  Pott  „die  Dacier  sind  schwerlich  germanischer
Rede“  (Romanisch,  Roman,  Romantisch  in  Allgemeine  Monatschrift  für
Wiss.  und  Lit.)  I8S2,  S.  942
2)  Grimm,  Gesch.  d.  d.  Spr.  197.
3 )  Carac.  10.  Gct.  0;  Prob.  Ifi.
4 )  Orat.  1.  in  Constantin.  6  dt  07V  trpöc  roüs  Tsrac  vjptv  ätp^vvjv  irapsuxeuatrcv
iiu'faXr,.
5 )  Ovid.  Trist.  II,  Lucan.  Phars.  V,  441  ;  Xibull,  ad  Messal.  147  Statius  Silv
III,  1,  17.
            
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