Dacier und Romanen.
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lieh bei den Linguisten gefunden hat'). Aber zu wünschen, dass eine
wichtige Neuerung, wenn nicht zur Evidenz, so doch zu hoher
Plausibilität gelange, bevor wie sie annehmen, ist nicht „Misgunst
über Störung in gewohnten Kreisen“, sondern eine in der Altertumswissenschaft
und Ethnographie überaus gebotene Vorsicht 2).
VI.
Noch wollen wir hier die Vermischung der beiden Namen Geten
und Gothen in ihrem historischen Gange verfolgen. Erst in einem
Zeitalter, wie das vierte Jahrhundert, in dem Gelehrsamkeit und
Geschmack schon tief gesunken waren, ist es historischen Compilatoren
der geringsten Sorte begegnet, die zwei verschiedenen Völker
11m einer Namensähnlichkeit willen zusammenzuwürfeln. Die ersten,
von denen dies notorisch ist, waren Aelius Spartianus im Leben
Caracallas und Flavins Vopiseus im Leben des Probus 3 ): zwei der
allerschlechtesten Historiker der sinkenden Latinität. Das gleiche Versehen
beging der Kaiser Julianus, von dem man historische Gelehrsamkeit
nicht ansprechen wird 4 ). Mit Eifer traten die Dichter in die
neuen Fussstapfen; ihnen, denen der Wechsel des Ausdruckes so
angenehm ist, musste der leichteste Fingerzeig genügen. Man weiss,
was die Dichter der klassischen Zeit, Horaz, Ovid u. a. in kühnen ethnographischen
Gruppirungen geleistet haben. Ovid, der die Umgebung
von Tomis gewiss kannte, versteigt sich einmal dazu, Colchier als
deren Bewohner zu nennen, die allen Nachrichten zufolge dort niemals
weilten. In Lucans Versen wandern die hinnenthracischen
Bessen an der Mäotis (Meer von Asow). Nach Tihull bewässert der
Hebrus gotische Fluren und Statius feiert des Orpheus „getische“
Leier 5 ). Was Wunder, dass die manierirten Dichter des vierten und
fünften Jahrhunderts diesem Herkommen reiche Opfer zollten, so
t) Sehr vorsichtig iiussert sich Pott „die Dacier sind schwerlich germanischer
Rede“ (Romanisch, Roman, Romantisch in Allgemeine Monatschrift für
Wiss. und Lit.) I8S2, S. 942
2) Grimm, Gesch. d. d. Spr. 197.
3 ) Carac. 10. Gct. 0; Prob. Ifi.
4 ) Orat. 1. in Constantin. 6 dt 07V trpöc roüs Tsrac vjptv ätp^vvjv irapsuxeuatrcv
iiu'faXr,.
5 ) Ovid. Trist. II, Lucan. Phars. V, 441 ; Xibull, ad Messal. 147 Statius Silv
III, 1, 17.