Daeier und Romanen.
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wir bedürfen nicht der einzelnen Beispiele. Wussten es die Römer
nicht und sprachen es laut aus, welch’ ein Bollwerk für sie die Zwietracht
der Germanen, ihr Mangel staatlichen und bundesgenössischen
Gemeinsinnes sei. Darum dienten germanische Edle wie Gemeinfreie
so zahlreich im römischen Reiche und verstärkten im 4. Jahrhundert
die Wehrkraft des sinkenden Reiches. „Man kann es geradehin
aussprechen, das römische Reich ist die Macht, an deren Begegnung
die losen, auseinander fallenden (vorderen) germanischen Stämme
wieder eine festere Haltung gewannen, und die das deutsche
Gefolgschafts- und Heerwesen zu einer höheren Bedeutung erhoben
bat').“
Warum aber die Quaden und Markomannen nicht gegen das
Volk der Dacier dem Domitian Hilfe leisteten, lehrt das angeführte
Capitel des Dio Cassius': Domitian hatte die beiden Stämme aufs
tiefste beleidigt 3 ). Am überraschendsten aber ist die Äusserung,
dass die Deutschen den „Auslauf“ der Donau ins Meer fremden
Händen nicht würden überlassen haben? ßesilzen etwa die Deutschen
in der Gegenwart jenen Unterlauf und jene wichtige Mündung ihres
grossen Stromes, besitzen sie etwa die des Rheins? Oder wenn man
sich der Täuschung hingäbe, das jetzige Deutschland sei schwächer
als jenes vom Nebel des Altertums umhüllte, dachten die Deutschen
auf dem höchsten Gipfel ihrer kaiserlichen Gewalt im Mittelalter an
jene Mündungen der Donau, haben sie unter ihren Ottonen, Heinrichen
und Friedrichen sie nicht ruhig den Fremden überlassen?
Die Hypothese von der Deutschheit der Geten hat noch einen
gelehrten und energischen Anhänger und Verfechter gewonnen an
H. Leo 3 ). Dieser hat das „gesicherte (!) Resultat der Forschungen
Grimms die Identität der Geten und Gothen angenommen“ und beginnt
seine Geschichte des deutschen Mittelalters ungestört durch
allen Einspruch schon mit den Geten des Herodot. Aber eine bewegliche,
rasch eombinirende Phantasie geht bei ihm über seines Vorgängers
Resultate weit hinaus und geräth stellenweise in eine Art
Dichtung auf dem Gebiet der Sprachvergleichung. Leo knüpft die
<) H. Leo, Vorlesungen über deutsche Geschichte 1, 210.
~) Meine Abhandlung, Das vorrömische Dacien S. 27.
3 ) Lehrbuch der Universalgeschichte II, 23—36; Vorlesungen über die Geschichte
des deutschen Volkes und Reiches, I, 83— 10S.