Dacier und Romanen.
23
dass die Dahae am kaspischen Meere, die Geten au der Donau
wohnten. Dann erhellt es klar aus dem Zusammenhänge des
Verses mit dem übrigen Gedichte, dass der Dichter hier von
den zwei grössten Barbarenvölkern sprechen wolle, die zu J. Casars
Zeit den römischen Staat beunruhigten, und gegen die der grosse
Mann die Waffen zu ergreifen im Begriffe stand; die Parther im
Osten, die Dacier im Westen. Die ersteren werden aber dichterisch
Dahae, die letzteren Getae genannt. Dies ist ein überaus gewöhnliches
Verfahren der Dichter. Was aber das dritte betrifft, so
sträubt sich die Quantität Dähae (Adat) gegen jeden Tausch für
Däci. Es wird uns keine einzige lateinische Stelle angezeigt werden
können, in der Daci mit kurzem a gebraucht wird, und dies müsste
doch hier der Fall sein, um dieser Stelle nicht Gewalt anzuthun *)•
Dass aber in unserem Citate Getae — Massagetae stehe, ist eine
rein willkürliche Unterschiebung zum Zwecke des schwachen Beweises;
Parallelstellen , die es durch die Analogie wahrscheinlich machen
würden, fehlen. Auch die Flexion «t für die Dahae, oi für die Daci
ist mit der einzigen Ausnahme Herodots*) consequent, und selbst
dessen Aaai bleibt noch vom Aäot der Dacier unterschieden. Es ist
daher noch immer der Beweis anzutreten, dass ein einzigesmal
Dahae für Daci gebraucht worden und auch dann, was hei der
Mangelhaftigkeit gewisser alter Handschriften denkbar ist, wäre
nichts erwiesen worden. Dass die thracischen Atoi des Thukydides
aber hier nicht einzumengen sind, wie Grimm tliut, bedarf keiner
Versicherung. Andere Argumente Grimms leisten nicht mehr
Widerstand. Denn wer weiss etwas darüber, dass der „Name des
östlichsten germanischen Volkes (Gothen) in das römische Ohr nur
lautverschoben und mit dem tiefen statt des hellen Vocals drang,
und dass diese bedeutende Verschiedenheit der Klänge in Anschlag
gebracht werden dürfe, um zu begreifen, dass die Römer nicht
darauf verfielen, solche Gothen an die ihnen von anderer Seite her
bekannten Geten zu halten 8 ).“ Ebenso kraftlos ist die Äusserung,
die Römer seien zur Auffassung der Verwandtschaft zwischen Geten
und Gothen nicht unterrichtet genug gewesen. Die zahlreichen Ger-1)
Bei Strab. Sil, findet sich allerdings Aäat statt Aaai. Man vgl. Seneca
Oed. 472, Thyest. 370.
2 ) I, 126, Aaot Mäpdot u. s. w.
3 ) Gesch. d. d. Sjir. S. 179.