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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 53. Band, (Jahrgang 1866)

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Scherer

sophen  sind  durch  Pythagoras,  der  schon  aus  seinem  Symbole,
dem  Y,  bekannt  war,  vermehrt:  auch  eine  Schriftstelle  ist  wohl  hinzugefugt. ­
  Mit  der  Logik  und  Consequenz  der  Gedanken  steht  es  nicht
ebenso  günstig  wie  mit  der  Form,  in  welcher  sie  sich  präsentieren.
Bei  Haimo  gehen  zwei  Vorstellungen  neben  einander  her,  wenn  auch
nicht  in  ihrem  Parallelismus  klar  erkannt,  so  doch  jede  in  sich  noch
zusammenhängend:  das  Bett,  von  welchem  das  Mädchen  sich  erhebt,
wird  teils  als  die  Finsterniss  des  Heidentums,  teils  als  die  fleischlichen ­
  Lüste  gefasst.  Aus  jenem  führt  der  Weg  durch  die  heidnischen
Philosophen  zu  der  Predigt  und  den  Büchern  der  Kirchenlehrer  und
in  ihrem  Dogma  wird  Christus  gefunden.  Aus  diesen  gelangen  wir
zur  Betrachtung  erst  der  weltlich  Gesinnten,  dann  der  Heiligen;  und
die  Erkenntniss,  dass  Christus  sie  alle  übertreffe,  leitet  zu  ihm.
Williram  hat  dies  Alles  noch  mehr  in  einander  gewirrt  als  schon
Haimo,  man  sehe  bei  ihm  selbst  wie  es  sich  ausnimmt,  der  Schein
grösserer  Consequenz  verdeckt  die  bare  Sinnlosigkeit:  und  man
bemerkt,  wie  wenig  es  dem  Verfasser  um  eine  tiefere  Durchdringung
seines  Gegenstandes  zu  tun  war.  Darin  vertraut  er  sich  bis  auf
gewisse  allgemeine  Gesichtspuncte,  die  er  gelegentlich  zur  Geltung
bringt,  gänzlich  seinen  Vorgängern  an.  Und  wo  diese  in  die  Irre
führen,  folgt  er  willig  nach.
Das  Vorstehende  möge  genügen,  um  Willirams  Werk  zu  charakterisieren. ­
  Es  ist  die  allgemeine  Idee  des  Christentums,  welche
zuletzt  daraus  hervorgeht.  In  keinem  biblischen  Werke  steht  sie  so
ausdrücklich  und  ausschliesslich  im  Vordergründe  wie  im  Hohenliede
nach  der  allegorischen  Deutung.  Und  hierin  lag  eben  der  Grund  der
Anziehungskraft,  welche  dieses,  und  nicht  blos  auf  Williram,
ausübte;  hierin  mit  eine  Ursache  des  Erfolges,  den  Williram
erzielte.
Als  er  sein  Werk  dem  Publicum  übergab,  versprach  er  in  den
mit  Reimprosa  aufgeputzten  Schlussworten  des  Prologs,  es  nach  dem
Rate  Gelehrterer  so  lange  er  lebe  verbessern  zu  wollen,  auszulassen
und  hinzuzufügen  wie  man  es  für  passend  halten  würde.  Es  fehlt  uns
nicht  an  Andeutungen,  dass  er  diesem  Versprechen  in  der  Tat
nachgekommen.
Wie  wenig  ihn  auch  innerer  Drang  zu  der  Arbeit  getrieben
haben  mochte,  jetzt  da  sie  fertig  vor  ihm  lag,  konnte  er  sich  des
Stolzes  und  der  Freude  nicht  enthalten:  es  schien  ihm  dass  derjenige
            
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