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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 53. Band, (Jahrgang 1866)

Leben  Willirains,  Abtes  von  Ebersberg  in  Baiern.

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oder  vielleicht  die  schon  sinkende  Kraft  geschickt  maskieren,  wenn
Ezzo  um  dieselbe  Zeit  als  Williram  seine  Paraphrase  schrieb,  die
lateinische  Phrase  im  deutschen  Gedicht  zu  pompöser  Wirkung  an
wohlgewählten  Stellen  verwendete,  und  so  ein  neues  poetisches
Mittel  für  die  durch  seine  Cantilena  inaugurierte  neue  geistliche
Poesie  schuf.
Strebte  der  deutsche  Priester  auch  den  geläufigen  Gebrauch
seiner  nationalen  Muttersprache  an,  so  betrachtete  er  doch  als  die
Muttersprache  seines  Standes,  als  die  Redeform,  worin  er  sich  gleichsam ­
  im  Hauskleide  bewegte,  eben  jenen  gemischten  Jargon.  Und  es
begreift  sich  nun,  dass  Williram  auf  Beifall  rechnen  durfte,  indem  er
diesen  Jargon  (was  von  Notker  Labeo  nur  in  eingeschränktem  Sinne
behauptet  werden  darf)  zu  einer  Litteratursprache  erhob.  Auch  die
weniger  Litterarisehen  wurden  zum  Genuss  herbeigelockt:  sie  durften
sogar  reellen  Nutzen  erwarten:  manche  grammatische  Unsicherheit
schwand  unter  der  sich  einprägenden  Lectüre.  Andererseits  war  dies
für  Williram  selbst  weitaus  die  bequemste  Form  und  die  er  am
leichtesten  handhabte.  Dadurch,  dass  er  nur  die  Interpretation  darin
abfasste  und  die  Übersetzung  des  Textes  davon  frei  hielt,  trug  er  den
Unterschied  zwischen  der  Sprache  des  gewöhnlichen  Lebens  und
der  feierlicheren,  in  der  Kirche  gebrauchten,  der  Predigt  in  sein
Werk  hinein.  In  beiden  bewegte  sich  seine  Rede,  wie  Rudolf  von
Raumer  (Einwirkung  des  Christentums  S.  41)  hervorhebt,  gewandt
und  fliessend.  Es  ist  Musik  in  seinen  Perioden,  mit  denen  sich  nichts
vergleichen  kann,  als  die  ungefähr  gleichzeitige  Bamberger  Beichte.
Solche  Sicherheit  und  Freiheit  war  nur  in  einer  Epoche  zu  erreichen,
welche  unter  den  übrigen  Anforderungen  an  die  äussere  Erscheinung
des  Menschen  auch  von  seiner  Redefähigkeit  bestimmte  und  nicht
geringe  Leistungen  erwartete,  ehe  man  ihn  für  voll  anerkannte.
Willirams  Sprache  trägt  in  Lautform  und  Stil  das  Gepräge  der
Sauberkeit  und  Ordnung  an  der  Stirne,  das  sich  hei  ihm  von  der
Sorgfalt  für  die  anvertraute  Brüderschaft  bis  herab  auf  die  Ausstattung ­
  seines  Werkes  erstreckt,  wo  sich  zur  fasslichsten  Übersicht
und  zum  leichtesten  Verständniss  (wie  er  nicht  verfehlt  im  Prolog
selbst  zu  rühmen)  um  den  mit  grossen  Buchstaben  in  der  Mitte  sich
dem  Leser  aufdrängenden  Grundtext  links  die  poetische,  rechts  die
prosaische  Paraphrase  lagert.
            
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