Leben Willirains, Abtes von Ebersberg in Baiern.
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oder vielleicht die schon sinkende Kraft geschickt maskieren, wenn
Ezzo um dieselbe Zeit als Williram seine Paraphrase schrieb, die
lateinische Phrase im deutschen Gedicht zu pompöser Wirkung an
wohlgewählten Stellen verwendete, und so ein neues poetisches
Mittel für die durch seine Cantilena inaugurierte neue geistliche
Poesie schuf.
Strebte der deutsche Priester auch den geläufigen Gebrauch
seiner nationalen Muttersprache an, so betrachtete er doch als die
Muttersprache seines Standes, als die Redeform, worin er sich gleichsam
im Hauskleide bewegte, eben jenen gemischten Jargon. Und es
begreift sich nun, dass Williram auf Beifall rechnen durfte, indem er
diesen Jargon (was von Notker Labeo nur in eingeschränktem Sinne
behauptet werden darf) zu einer Litteratursprache erhob. Auch die
weniger Litterarisehen wurden zum Genuss herbeigelockt: sie durften
sogar reellen Nutzen erwarten: manche grammatische Unsicherheit
schwand unter der sich einprägenden Lectüre. Andererseits war dies
für Williram selbst weitaus die bequemste Form und die er am
leichtesten handhabte. Dadurch, dass er nur die Interpretation darin
abfasste und die Übersetzung des Textes davon frei hielt, trug er den
Unterschied zwischen der Sprache des gewöhnlichen Lebens und
der feierlicheren, in der Kirche gebrauchten, der Predigt in sein
Werk hinein. In beiden bewegte sich seine Rede, wie Rudolf von
Raumer (Einwirkung des Christentums S. 41) hervorhebt, gewandt
und fliessend. Es ist Musik in seinen Perioden, mit denen sich nichts
vergleichen kann, als die ungefähr gleichzeitige Bamberger Beichte.
Solche Sicherheit und Freiheit war nur in einer Epoche zu erreichen,
welche unter den übrigen Anforderungen an die äussere Erscheinung
des Menschen auch von seiner Redefähigkeit bestimmte und nicht
geringe Leistungen erwartete, ehe man ihn für voll anerkannte.
Willirams Sprache trägt in Lautform und Stil das Gepräge der
Sauberkeit und Ordnung an der Stirne, das sich hei ihm von der
Sorgfalt für die anvertraute Brüderschaft bis herab auf die Ausstattung
seines Werkes erstreckt, wo sich zur fasslichsten Übersicht
und zum leichtesten Verständniss (wie er nicht verfehlt im Prolog
selbst zu rühmen) um den mit grossen Buchstaben in der Mitte sich
dem Leser aufdrängenden Grundtext links die poetische, rechts die
prosaische Paraphrase lagert.