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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 53. Band, (Jahrgang 1866)

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Scherer

losigkeit  und  Barbarei,  und  Wackernage]  vergleicht  das  Gedicht  de
Heinrico  mit  seinem  „höfischen“  Wechsel  lateinischer  und  deutscher
Reimzeilen.  Die  Barbarei  sei  zugegeben,  der  Vergleich  wenigstens
nicht  abgelehnt,  obschon  jenes  Gedicht  zunächst  wohl  mit  dem  angelsächsischen ­
  Phoenix  zusammenzuhalten  wäre,  an  dessen  Schluss  je
eine  sächsische  mit  einer  lateinischen  Halbzeile  durch  Allitteration
gebunden  wird.  Aber  lag  es  nicht  am  nächsten,  die  französischdeutsche ­
  Sprachmengerei  des  siebzehnten  Jahrhunderts  herbeizuziehen ­
  und  dieselben  Motive  hier  wie  dort  anzunehmen?  Nur  war  der
Kreis  nicht  so  ausgedehnt,  in  dem  sie  geherrscht  haben  wird,  nur
litterarisch  Gebildeten  konnte  das  Latein  so  geläufig  werden  wie  der
ganzen  höheren  Gesellschaft  der  späteren  Zeit  das  Französische,  doch
musste  auch  dort  selbst  den  Ungebildeten  manches  Wort  und  manche
Wendung  unwillkürlich  anfliegen  und  haften  bleiben:  wer  heute
Fremdwörter  in  sein  Gespräch  mischt,  braucht  nicht  fremder  Sprachen ­
  mächtig  zu  sein.  Allerdings  jedoch  setzt  Williram  mehr  als  solch
lateinisches  Gemeingut  bei  seinen  Lesern  voraus.  Er  schreibt  in  dem
Jargon,  worin  die  Geistlichkeit,  der  litterarisch  gebildete  König  mit
ihnen,  ihre  Unterhaltung  führt.  Und  die  Barbarei  fällt  nicht  ihm,
sondern  seiner  Zeit  zur  Last,  oder  strenger  gesprochen,  den  allgemeinen ­
  Lebensgesetzen:  es  würde  einer  weiter  greifenden  Ausführung
bedürfen,  dass  und  weshalb  privilegierte  oder  isolierte  Gesellschaften
zur  Ausbildung  eines  ihnen  eigenen  Jargons  neigen.  Im  Grunde  lässt
sich  das  von  jedem  geschlossenen  Cirkel  behaupten  und  nachweisen  :
nur  gewinnt  selten  ein  solcher  Kreis  so  gewaltige  Ausdehnung  und
Tritt  so  bedeutend  und  nach  allen  Seiten  massgebend  in  den  Vordergrund ­
  der  Weltgeschichte,  wie  das  geistliche  Reichsfürstentum  des
elften  und  das  weltliche  des  siebzehnten  Jahrhunderts.
Das  erstere  konnte  nach  Sitte  und  bestehender  Einrichtung  sich
bei  Einer  Gelegenheit  wenigstens  dem  Contacte  mit  allen  anderen
socialen  Schichten  nicht  entziehen:  bei  der  Predigt;  und  das  Leben
selbst  zwang  zu  fortwährender  Berührung  mit  dem  weltlichen  und  nicht
lateinkundigen  Adel.  Der  hohe  Kirchenfürst  der  Zeit  musste  neben
seinem  Jargon  auch  das  reine  Deutsch  vollkommenin  der  Gewalthaben:
denn  Predigt  war  seine  Pflicht  und  glänzende  Redekunst  sein  Ehrgeiz.
Der  Schwung  des  Gedichtes,  zu  welchem  die  Begeisterung  des  Lehrvortrages ­
  sich  zuweilen  erhob,  strahlte  in  dem  Glanze  des  heimischen
noch  wurzelreichen  Ausdruckes.  Es  hiess  diesen  Glanz  überbieten
            
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