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Scherer
um ihren Worten das nötige Gewicht und die gehörige Eindringlichkeit
zu verleihen. „Ut maioris auctoritatis videatur“: es ist derselbe
Grund, weshalb ein Journalist nicht als Ich seine Meinungen ausspricht,
sondern in einem Wir das Publicum oder seine Partei zur
Verstärkung herbeizielit. „Ut quivis legens delectabilius afficiatur“:
Williram bekennt sich unverholen zu der Maxime aller Schriftstellerei,
welche nicht der innere Drang, sondern äussere Zwecke beseelen
und anregen: er will interessant und amüsant schreiben.
Aus demselben Gesichtspuncte muss Alles eine schickliche Kürze
und leichte Fasslichkeit erhalten, es muss zusammengezogen und ausgelassen
werden, was in sich zur Anschaulichkeit verbunden ist, soll
ungetrennt und unzerrissen bleiben, die Deutung sich in den Wortlaut
so innig verweben, dass dieser gleichsam aufgesogen erscheint
und alle selbständige Geltung für den hingebenden Leser verliert.
Dabei keine Spur von Empfindung für den ursprünglichen Sinn. Es
ist nicht wahr, dass Willirams Erfolg auf der Wahl des Hohenliedes
beruhte, dessen sinnliche Glut reizte, während die mystische geistliche
Anwendung vor dem eigenen Gewissen sogar den Verdacht
sinnlichen Gefallens und Schweigens fern halten durfte. Oder wenn
es wahr ist, so hat das zeitgenössische Publicum des Dichters anders
empfunden als der Dichter selbst. Denn in den lateinischen Versen
musste es sich zeigen, wofern Willirams Gedanken eine Richtung
nahmen, für deren Ausdruck ihn Ovid mit den etwa fehlenden Wendungen
bald versehen konnte. Und wir würden seinen geraden Sinn
bewundern und mit Freude beobachten, wie die geknebelte Natur den
Schein officieller Lüge und Heuchelei siegreich durchbräche. Aber
ein unbefangenes Auge entdeckt nichts von alledem, keine einzige
Situation des an prächtigen Situationen so reichen Gedichtes hat
seiner Muse auch nur ein Lächeln abgelockt. Sie zeigt ihm stets dieselbe
Miene einer gleichmütigen Dienerin, die zu leicht und schnell,
aber widerwillig und ohne inneren Anteil geleisteter Arbeit sich gezwungen
sieht. Überrascht uns einmal ein individuellerer Zug, so
brauchen wir in der Regel nur den Haimo aufzuschlagen, um ihn dort
wiederzufinden, zugleich jedoch die Täuschung poetischer Eingebung
von ihm herabsinken zu sehen.
Vergleicht z. R. das Mädchen die Augensterne des Geliebten mit
Tauben an Wasserbächen in Milch gebadet, wäre es nicht hübsch,
wenn unseren Dichter das lebhafte Funkeln des beweglichen Blickes