Leben Willirams, Abtes von Ebersberg in Baiern.
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Es ist nicht meine Absicht, Willirams grosses Hauptwerk hier
eingehend zu behandeln. Nur wenige Bemerkungen darüber mögen
sich in diesem Zusammenhänge hervorwagen.
Nicht umsonst rühmt Williram in der Vorrede die theologischen
Studien der Vorfahren und preist ihre unvergleichliche Blüte im
Gegensätze zu den Zuständen, welche mit Heinrichs III. Tode einrissen.
Wenn er dieselbe zu erneuern suchte, so geschah es zum
Teil in dem wörtlichen Sinne, dass einer jener Vorfahren ihm weitaus
die grössere Masse des, wie er sagt, aus der heiligen Väter
verschiedenen Auslegungen gesammelten Stoffes in willkommener
Zubereitung lieferte, so dass seine Benutzung der Quellen an diesem
einen Verhältnisse genügend studiert werden kann. Das theologische
Verdienst von Willirams Werk gebürt überwiegend einem Schüler
Rabans, dem Bischof Haimo von Halberstadt , der um die Mitte des
neunten Jahrhunderts lebte und wirkte t).
Haimo steht dem Hohenliede als Ausleger gegenüber, er redet in
seiner Person und redet über die einzelnen Sätze oder die Worte,
in die er sie auf löst. Williram legt nicht aus, sondern umschreibt,
nur umschreibt er im Sinne der Auslegung. Den Dialog des Bräutigams
und der Braut tastet er als solchen nirgends an. Wie im
Grundtexte lässt er im Gedicht und in der Prosa jene beiden sprechen
und erteilt nur ihnen im Verlaufe seiner ganzen Arbeit das Wort,
damit der Zusammenhang der Erklärung maioris auctoritatis videatur
et quivis legens personarum alterna locutione delectabilius afficiatur.
Wie richtig berechnet: und wenn auch die Rechnung nicht schwer
war, auf eine ganze biblische Schrift angewendet, dürfte sie neu
gewesen sein. Es war die Ausdehnung dessen, was er sonst an einzelnen
Stellen wohl versucht hatte, auf ein grösseres Object. Eine
Natur, der formelle dichterische Begabung und Gewandtheit nicht
fehlte, die damit sogar zu glänzen wusste, die jedoch mit dem, was
eigentlich den Dichter macht, nur in spärlichem Masse gesegnet und
überdies durch principielle Vorneigungen der Mode von den fruchtbaren
Stoffen abgelenkt war, fand in einer solchen Aufgabe ihren
gleichsam providentiell zugewiesenen Beruf. Sie kannte die Mittel,
1 ) Williram selbst hielt vermutlich Ilaimo für den Verfasser des Commentars über
das Hohelied: so durfte auch ich ihm hier ein Verdienst lassen, das nach der Hist,
litt, de la France 6, 106—109 eigentlich dem Remigius von Auxerre zukommt.
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