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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 53. Band, (Jahrgang 1866)

Leben  Willirams,  Abtes  von  Ebersberg  in  Baiern.

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Es  ist  nicht  meine  Absicht,  Willirams  grosses  Hauptwerk  hier
eingehend  zu  behandeln.  Nur  wenige  Bemerkungen  darüber  mögen
sich  in  diesem  Zusammenhänge  hervorwagen.
Nicht  umsonst  rühmt  Williram  in  der  Vorrede  die  theologischen
Studien  der  Vorfahren  und  preist  ihre  unvergleichliche  Blüte  im
Gegensätze  zu  den  Zuständen,  welche  mit  Heinrichs  III.  Tode  einrissen.
  Wenn  er  dieselbe  zu  erneuern  suchte,  so  geschah  es  zum
Teil  in  dem  wörtlichen  Sinne,  dass  einer  jener  Vorfahren  ihm  weitaus ­
  die  grössere  Masse  des,  wie  er  sagt,  aus  der  heiligen  Väter
verschiedenen  Auslegungen  gesammelten  Stoffes  in  willkommener
Zubereitung  lieferte,  so  dass  seine  Benutzung  der  Quellen  an  diesem
einen  Verhältnisse  genügend  studiert  werden  kann.  Das  theologische
Verdienst  von  Willirams  Werk  gebürt  überwiegend  einem  Schüler
Rabans,  dem  Bischof  Haimo  von  Halberstadt  ,  der  um  die  Mitte  des
neunten  Jahrhunderts  lebte  und  wirkte  t).
Haimo  steht  dem  Hohenliede  als  Ausleger  gegenüber,  er  redet  in
seiner  Person  und  redet  über  die  einzelnen  Sätze  oder  die  Worte,
in  die  er  sie  auf  löst.  Williram  legt  nicht  aus,  sondern  umschreibt,
nur  umschreibt  er  im  Sinne  der  Auslegung.  Den  Dialog  des  Bräutigams ­
  und  der  Braut  tastet  er  als  solchen  nirgends  an.  Wie  im
Grundtexte  lässt  er  im  Gedicht  und  in  der  Prosa  jene  beiden  sprechen
und  erteilt  nur  ihnen  im  Verlaufe  seiner  ganzen  Arbeit  das  Wort,
damit  der  Zusammenhang  der  Erklärung  maioris  auctoritatis  videatur
et  quivis  legens  personarum  alterna  locutione  delectabilius  afficiatur.
Wie  richtig  berechnet:  und  wenn  auch  die  Rechnung  nicht  schwer
war,  auf  eine  ganze  biblische  Schrift  angewendet,  dürfte  sie  neu
gewesen  sein.  Es  war  die  Ausdehnung  dessen,  was  er  sonst  an  einzelnen ­
  Stellen  wohl  versucht  hatte,  auf  ein  grösseres  Object.  Eine
Natur,  der  formelle  dichterische  Begabung  und  Gewandtheit  nicht
fehlte,  die  damit  sogar  zu  glänzen  wusste,  die  jedoch  mit  dem,  was
eigentlich  den  Dichter  macht,  nur  in  spärlichem  Masse  gesegnet  und
überdies  durch  principielle  Vorneigungen  der  Mode  von  den  fruchtbaren ­
  Stoffen  abgelenkt  war,  fand  in  einer  solchen  Aufgabe  ihren
gleichsam  providentiell  zugewiesenen  Beruf.  Sie  kannte  die  Mittel,

1 )  Williram  selbst  hielt  vermutlich  Ilaimo  für  den  Verfasser  des  Commentars  über
das  Hohelied:  so  durfte  auch  ich  ihm  hier  ein  Verdienst  lassen,  das  nach  der  Hist,
litt,  de  la  France  6,  106—109  eigentlich  dem  Remigius  von  Auxerre  zukommt.
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