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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 53. Band, (Jahrgang 1866)

Lehen  Willirams.  Abtes  von  Ebersberg  in  Baiern.

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Zeichen  hervorragender  und  berufener  Männer  bildet.  Von  den  verwandten ­
  Bestrebungen  seines  Nachbars  Otloh  von  S.  Emmeram  scheint
er  wenig  zu  wissen,  er  glaubt  sich  in  Deutschland  isoliert  mit  der
Richtung,  die  er  verfolgt 1 ).  Dennoch  hat  er  das  bestimmte  Gefühl,
dass  die  Zeit  in  einer  Wandlung  begriffen  sei,  in  der  sie  sich  von  der
classischen  Gelehrsamkeit  immer  entschiedener  ahkehre.
Wenn  zahlreiche  Jünger  auch  in  Baiern  den  Ruhm  des  Lanfranc
verbreiten  und  das  dialektische  Verfahren  bei  Interpretationen  der
heiligen  Schriften  üben  und  verlangen,  so  scheint  Williram  sich  nichts
besonderes  darunter  vorzustellen:  er  mochte  an  die  in  Deutschland
übliche  Schullogik  denken,  die  es  in  ihrem  nahen  Verbände  mit  der
Grammatik  kaum  jemals  zu  nennenswerter  praktischer  Gewandtheit
brachte,  auf  welche  es  die  italienischen  Logiker,  wie  Lanfranc,
mitten  in  einer  sehr  ausgebreiteten  und  ausgebildeten  juristischen
Tätigkeit  stehend,  ganz  vorzüglich  abgesehen  hatten.  Während
Williram  das  Werk  des  Lanfranc  fortzuführen  glaubte,  weil  er  seine
classische  Bildung  im  Dienste  der  Bibel  verwertete,  und  sich  mit
demselben  Rechte  wie  etwa  Notker  Labeo  als  Dialektiker  fühlen
durfte,  empfand  Otloh  viel  schärfer  den  Gegensatz,  der  in  Wahrheit
bestand  2).  Dennoch  war  es  ohne  Zweifel  mit  die  an  Lanfranc  gemachte ­
  Beobachtung  der  Gunst,  in  welcher  Commentare  zu  stehen

1 )  Unum  in  Francia  comperi  Lantfrancum  nomine  cet.  sind  seine  Worte  in  der
Vorrede.
2 )  Peritos  autem  dico  magis  illos  qui  in  sacra  scriptura  quam  qui  in  dialectica  sunt
instructi:  nam  dialecticos  quondam  ita  simplices  inveni,  ut  omnia  sacrae  scripturae
dicta  iuxta  dialecticae  auctoritatem  constringenda  esse  decernerent  cet.  (Pez  thes.
3,  2,  144).  Sie  waren  ihm  also  auch  persönlich  begegnet.  PrantI  (Geschichte  der
Logik  2,  68)  der  die  Stelle  gleichfalls  anführt,  sieht  nicht,  dass  es  sich  um  Schüler
des  Lanfranc  dabei  handle,  der  Paulum  apostolum  exposuit  et  ubicumque  opportunitas
  locorum  occurrit,  secundum  leges  dialecticae  proponit,  assumit,  concludit,
wie  Sigbert  von  Gembloux  berichtet.  Wir  selbst  können  nicht  urteilen,  da  nach
Mabillons  Bemerkung  (Acta  SS.  ord.  S.  Bened.  6,  2,  632)  der  bei  Dachery  in
Lanfrancs  Werken  gedruckte  Commentar  nicht  der  echte  ist.  Dass  Lanfranc  auch
einen  Psalmencommentar  geschrieben,  wovon  wir  sonst  nichts  wissen,  folgt  aus
Willirams  Worten  „comperi  Lantfrancum  —  in  epistolis  Pauli  et  psalterio  multorum
sua  subtilitate  exacuisse  ingenia“  wenigstens  nicht  unbedingt:  es  können  mündliche
Vorträge  gemeint  sein.  Wenn  der  Schulmeister  Gozechin  über  die  Wanderlehrer
Klage  führt,  welche  Vorlesungen  über  den  Psalter,  Paulus  und  die  Apokalypse
halten  (Mabillon  vet.  anal.  p.  443 b ),  so  treten  uns  dieselben  beliebten  Themata  und
vielleicht  Wirkungen  derselben  Schule  entgegen.
Sitzb.  d.  phil.-hist.  CI.  LII1.  Bd.  I.  Hft.

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