Lehen Willirams. Abtes von Ebersberg in Baiern.
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Zeichen hervorragender und berufener Männer bildet. Von den verwandten
Bestrebungen seines Nachbars Otloh von S. Emmeram scheint
er wenig zu wissen, er glaubt sich in Deutschland isoliert mit der
Richtung, die er verfolgt 1 ). Dennoch hat er das bestimmte Gefühl,
dass die Zeit in einer Wandlung begriffen sei, in der sie sich von der
classischen Gelehrsamkeit immer entschiedener ahkehre.
Wenn zahlreiche Jünger auch in Baiern den Ruhm des Lanfranc
verbreiten und das dialektische Verfahren bei Interpretationen der
heiligen Schriften üben und verlangen, so scheint Williram sich nichts
besonderes darunter vorzustellen: er mochte an die in Deutschland
übliche Schullogik denken, die es in ihrem nahen Verbände mit der
Grammatik kaum jemals zu nennenswerter praktischer Gewandtheit
brachte, auf welche es die italienischen Logiker, wie Lanfranc,
mitten in einer sehr ausgebreiteten und ausgebildeten juristischen
Tätigkeit stehend, ganz vorzüglich abgesehen hatten. Während
Williram das Werk des Lanfranc fortzuführen glaubte, weil er seine
classische Bildung im Dienste der Bibel verwertete, und sich mit
demselben Rechte wie etwa Notker Labeo als Dialektiker fühlen
durfte, empfand Otloh viel schärfer den Gegensatz, der in Wahrheit
bestand 2). Dennoch war es ohne Zweifel mit die an Lanfranc gemachte
Beobachtung der Gunst, in welcher Commentare zu stehen
1 ) Unum in Francia comperi Lantfrancum nomine cet. sind seine Worte in der
Vorrede.
2 ) Peritos autem dico magis illos qui in sacra scriptura quam qui in dialectica sunt
instructi: nam dialecticos quondam ita simplices inveni, ut omnia sacrae scripturae
dicta iuxta dialecticae auctoritatem constringenda esse decernerent cet. (Pez thes.
3, 2, 144). Sie waren ihm also auch persönlich begegnet. PrantI (Geschichte der
Logik 2, 68) der die Stelle gleichfalls anführt, sieht nicht, dass es sich um Schüler
des Lanfranc dabei handle, der Paulum apostolum exposuit et ubicumque opportunitas
locorum occurrit, secundum leges dialecticae proponit, assumit, concludit,
wie Sigbert von Gembloux berichtet. Wir selbst können nicht urteilen, da nach
Mabillons Bemerkung (Acta SS. ord. S. Bened. 6, 2, 632) der bei Dachery in
Lanfrancs Werken gedruckte Commentar nicht der echte ist. Dass Lanfranc auch
einen Psalmencommentar geschrieben, wovon wir sonst nichts wissen, folgt aus
Willirams Worten „comperi Lantfrancum — in epistolis Pauli et psalterio multorum
sua subtilitate exacuisse ingenia“ wenigstens nicht unbedingt: es können mündliche
Vorträge gemeint sein. Wenn der Schulmeister Gozechin über die Wanderlehrer
Klage führt, welche Vorlesungen über den Psalter, Paulus und die Apokalypse
halten (Mabillon vet. anal. p. 443 b ), so treten uns dieselben beliebten Themata und
vielleicht Wirkungen derselben Schule entgegen.
Sitzb. d. phil.-hist. CI. LII1. Bd. I. Hft.
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