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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 53. Band, (Jahrgang 1866)

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Scherer

zeigt  auch  Lust  darauf  zu  verweilen,  aber  versagt  es  sich  selbst  in
Prosa  mit  ausdrücklicher  Hinweisung  auf  das  ästhetische  Gesetz  der
rein  gehaltenen  Gattung,  das  er  dadurch  verletzen  würde  i).
Vielleicht  erläutert  sich  an  dem  gewählten  Beispiele  am  besten
die  eigentümliche  Natur  von  Willirams  Talent.  Ich  habe  schon  oben
darauf  hingewiesen,  dass  es  ein  rein  formelles  war.  Nur  bei  der
gänzlichen  Abwesenheit  alles  inneren  sachlichen  Dranges  erklärt  sich
die  völlige  Gleichgiltigkeit  gegen  das  Object  der  Behandlung,  erklärt
sich  dies  zeitweilige  Liegenlassen  und  Wiederaufnehmen,  wenn  ich
richtig  ein  solches  vermute.
Jetzt  sollte  die  Muse  ihn  trösten  in  seinem  Unglück  undMismut,
wie  er  sagt.  Und  sie  sollte  wohl  noch  etwas  mehr.  Die  Pforten  zu
den  kirchlichen  oder  politischen  Ruhmeshallen  halten  sich  geschlossen: ­
  es  galt  den  Versuch,  ob  nicht  die  litterarischen  sich  von  neuem
und  in  verstärktem  Masse  öffnen  Hessen.  Und  ein  fernerer  Zweck
war  vielleicht  von  Anfang  an  dabei  ins  Auge  gefasst.
Haec  tarnen  haec  mea  spes,  si  iuvenis  fieres
sagt  er  dem  jungen  König.  War  es  nicht  ein  treffliches  Mittel,  dessen
Aufmerksamkeit  zu  gehöriger  Zeit  auf  das  Pfund,  das  in  dem  kleinen
haierischen  Kloster  unbenutzt  vergraben  lag,  zu  lenken,  wenn  man
ihm  ein  zierliches,  mannigfaltige  Geschicklichkeit  verratendes  Buch
überreichte?  War  dies  nicht  zugleich  die  beste  Gelegenheit,  um  an
die  Gunst  beweise  des  königlichen  Vaters  zu  erinnern  und  die  jahrelangvergeblich ­
  gehegten  Wünsche  endlich  unverholen  auszusprechen?
Ich  zweifle  nicht,  dass  alle  diese  Erwägungen  zusammengenommen ­
  Williram  bestimmten,  sieb  an  eine  grössere  litterarische
Arbeit  zu  wagen,  bei  welcher  er  die  Wirkung  ins  Allgemeine,  die
möglicherweise  damit  erzielt  werden  konnte,  wieder  ganz  genau
und  wie  es  scheint  vollkommen  richtig  berechnete.
Das  aber  ist  um  so  merkwürdiger,  als  er  offenbar  den  Zeiterscheinungen ­
  auf  dem  Gebiete  der  Litteratur  ziemlich  fremd  gebliehen ­
  war,  so  dass  ihn  nur  der  wunderbare  Instinet  für  das  geistige
Bedürfnis  der  Mitlebenden  leitete,  der  überall  und  stets  das  Kenn-1

 )  Sed  quoniam  historia  publica  scribitur  quae  auimum  Iectoris  ad  novitatem  rerum
quam  ad  liguras  verborum  attentiorein  facit,  magis  videtur  congruere  ipsam  rem
integram  persequi  quam  mysticis  rationibus  »liquid  promiscue  commentari.  Vita
Chuonradi  c.  5.  Zu  dem  übrigen  über  Wipo  gesagten  vergl.  c.  30.  33.
            
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