284
Schere r
Lectionarium und ein Matutinarium, deren grosse Correctheit die
diesem Geschäfte gewidmete urkundliehe Aufzeichnung (Conc. 26)
hervorheht. Auch hier wurde die Bezahlung in Weingärten, sonst
gewiss in Barem geleistet >).
Williram verschmähte also die Verwertung seiner Kenntnisse,
seiner höheren Bildung zu einer rein handwerksmässigen Tätigkeit
keineswegs, hierin allerdings in voller Übereinstimmung mit dem zu
seiner Zeit Üblichen und Gewöhnlichen. Leicht konnte er seine
Exemplare in den Ruf ganz besonderer Correctheit bringen: und
auch an Eleganz der Ausstattung wird er es nicht haben fehlen
lassen. Dass man den zeichnenden Künsten in Ebersberg einige
Bemühung widmete, bedingte wohl schon die Nachbarschaft von
Tegernsee und Benedictbeuern. Einem Manuscript seiner Paraphrase
des Hohenliedes, vielleicht dem Dedications-Exemplare, war, wie wir
aus Menrad Molthers Ausgabe desselben erfahren, eine Zeichnung
beigegeben. Und das gleiche werde ich hei näherer Besprechung der
Überlieferung noch für eine andere Handschrift der Paraphrase wahrscheinlich
zu machen suchen. Jene stellte den Salomo und die Kirche
dar, diese muss eine Beziehung auf Willirams Epitaph gehabt haben,
neben welchem sie sich befand: erhalten ist davon nur die höchst
mangelhafte Copie eines mit dem Nimbus umgebenen Kopfes.
Auch unter den Geschenken Heinrichs III., deren sich Williram
so dankbar erinnert, mag sich neben Kostbarkeiten manchmal
Bargeld befunden haben. Aber in einem viel umfassenderen Sinne
hatte er Ursache, der kaiserlichen Huld sich zu freuen.
Niemals, versichert er, sei ihm ein Bote mit leeren Händen vom
Hofe zurückgekehrt: höher als alles jedoch habe er die Gnade geschätzt,
mit dem Kaiser persönlich verkehren zu dürfen.
Nam vacuis manibus numquam rediit mihi missus:
Sed plus grata mihi gratia colloquii.
Wir müssen ihn demnach, auch nachdem er Abt geworden war, am
Hofe gerne gesehen und wiederholt anwesend denken.
Doch auch so fand er das Leben in Ebersberg nur eben
erträglich.
Wiedemann a. 0. S. 91 erinnert daran, dass 1074 ein Mönch Ulrich von Benediclbeuern
von einem Grafen in Bozen für ein Messbuch einen Weinberg und das
Kloster Baumburg Holz und Wiesengründe erhält: Mon. Boica 14, 230.