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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 53. Band, (Jahrgang 1866)

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Scherer

Etwas  wesentliches  kam  ihm  dabei  freilich  zu  statten:  eine
damals  nicht  mehr  häufige  Toleranz,  die  Nachsicht  gegen  die
Verletzung  des  Coelibates.  Die  Mehrzahl  der  baierischen  Priester
lebte  noch  in  der  Ehe  zu  Willirams  Zeit,  und  zwei  solcher  Haushalte
werden  uns  in  seiner  Umgebung  ausdrücklich  bezeugt.  Undenkbar,
dass  zwischen  ihnen  und  dem  Kloster  eine  aufrichtige  werktätige
Freundschaft  bestand  oder  auch  nur,  dass  jene  sich  eine  gegenwärtige ­
  Verbesserung  ihrer  materiellen  Lage  um  den  Preis  einer  künftigen ­
  Bereicherung  der  Mönche  verschalten  mochten,  wenn  deren
Abt  zu  den  cluniacensischen  Eiferern  gehörte,  welche  in  Deutschland
von  Hirschau  aus  schon  auch  in  Baiern  um  sich  griffen,  wo  ohnedies
in  gewissem  Sinne  ihre  deutsche  Wiege  gestanden  hatte.
Aber  Williram  gehörte  nicht  zu  ihnen.  Wenn  er  an  dem  Gedanken ­
  der  kirchlichen  Reform  Teil  hatte  —  und  wie  sollte  er
nicht,  der,  in  seiner  Zeit  angesehen,  der  Höhe  dieser  Zeit  nicht  fern
gestanden  haben  kann;  der  in  seiner  Gesellschaftscliiclit  hervorragend, ­
  das  Lebensprincip  dieser  Gesellschaft  in  sich  getragen  haben
muss  —:  so  beschränkten  sich  seine  Ideen  auf  den  Gesichtskreis
Heinrichs  III.  und  Clemens  II.,  ja  im  Grunde  noch  Leos  IX.,  deren
Bestrebungen  ausschliesslich  oder  doch  in  erster  Linie  auf  Abstellung ­
  der  Simonie  gerichtet  waren.  Williram  ist,  wenn  man  auf  das
ganze  Gefüge  seines  Geistes  sieht,  einer  älteren  Generation  von
Kirchenfürsten  beizuzählen,  als  der,  welche  er  emporkommen  sah,
die  den  gregorianischen  Stempel  an  der  Stirn  trug,  mit  welcher  in
der  deutschen  Kirche  sich  der  Übergang  zum  eigentlichen  Papismus
vollzog.
Auch  manche  besondere  Eigenschaften  teilt  er  mit  jenen.  Wie
sein  Zeitgenosse  Benno  von  Osnabrück,  scheint  Williram  ein  kundiger ­
  Baumeister  gewesen  zu  sein.  Wenigstens  gibt  ihm  einmal  sein
Freund  Bischof  Heinrich  von  Trient  (1068  —1082)  den  Bau  einer
steinernen  Kirche  an  einem  zu  seinem  Sprengel  gehörigen  Orte,  der
in  der  Nähe  des  Ebersberger  Waldes  lag,  in  Commission,  und  bezahlt ­
  ihn  mit  einem  Weinberge  von  drei  Fuder  Ertrag.  Ausbedungen
war  dabei,  dass  die  Kirche  in  drei  Jahren  fertig  sein  müsse
(Conc.  26).
Diese  Art  der  Bezahlung  macht  auf  den  ersten  Anblick  den
Eindruck  ziemlich  roher  Naturalwirtschaft.  Aber  was  hindert  uns,
anzunehmen,  dass  Williram  einen  genauen  Kostenüberschlag  aus-
            
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