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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 53. Band, (Jahrgang 1866)

Leben  Willirams,  Abtes  von  Ebersberg  in  Baiern.

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Vogtwahl  das  seit  1040  der  Abt  von  Ebersberg  besass,  dazu  benützt
zu  haben,  um  der  doch  vielleicht  manchmal  unbequemen  Mitwirkung
des  Vogtes  bei  vielen  Geschäften  sich  zu  entledigen.  Wenigstens
interveniert  Walther,  der  doch  im  Ganzen  weit  öfter  erwähnt  wird
als  Gerold,  nur  bei  Tauschverträgen  (Tr.  8.  145.  Conc.  15.  19.  21.
22),  und  auch  da  handelt  er  niemals  selbständig,  sondern  nur  als
Vermittler  oder  Figurant,  neben  welchem  der  Tätigkeit  Willirams
in  der  Regel  ausdrücklich  gedacht  wird.  Nur  einmal  übernimmt
Walther  eine  Tradition  (135),  diese  aber  erfolgt  durch  die  Hände
seines  Bruders  Engelbert,  dürfte  also  die  vorgetragene  Ansicht
schwerlich  zu  entkräftigen  geeignet,  eher  als  ein  vereinzelter,  misslungener ­
  und  dann  nicht  wiederholter  Versuch  anzusehen  sein.  Unter
Rudpert  treffen  wir  ihn  allerdings  wieder  in  dieser  Function  (123.
159),  aber  Williram  empfängt  selbst  die  Gewere  (115.  116.  137.
151.  155).
Es  dürften  nicht  viele  Fälle  einer  so  energischen  Einschränkung
der  Befugnisse  des  Vogtes  von  Seite  des  Abtes  sich  naclnveisen
lassen  zu  einer  Zeit,  wo  umgekehrt  fortwährende  Bedrängungen  der
Abte  von  Seite  der  Vögte  auf  der  Tagesordnung  standen.
Und  wie  vorsichtig  hat  Williram  sich  gehütet,  Klostergut  zu
Lehen  auszutun  und  dadurch  eine  damals  ganz  gewöhnliche  Form
der  Klosterberaubung,  wo  nicht  zu  begünstigen,  so  doch  zu  ermöglichen. ­
  Er  wirft  (Conc.  2)  seinen  Amtsvorgängern  ineuria  und
negligentia  vor,  weil  sie  ein  Dorf,  das  mit  zur  frühesten  Ausstattung
der  Stiftskirche  gehört  hatte,  ihr  auf  diesem  Wege  ganz  abhanden
kommen  Hessen.  Und  sein  Nachfolger  hatte  sich  selbst  der  gleichen
Schwäche  anzuklagen  (Tr.  9).
Kein  geringeres  Zeugniss  für  Willirams  Befähigung  zu  der
Stelle,  die  er  einnahm,  erblicke  ich  in  seinem  Verhältnisse  zu  den
Weltpriestern  der  Nachbarschaft.  Anfeindung  und  Eifersucht  zwischen ­
  Weltpriestern  und  München  ist  damals  die  Regel.  Williram
sahen  wir  schon  in  freundlichen  Beziehungen  zu  jenem  Gunduni  und
seiner  Frau  Hildegund.  Wir  finden  ferner  einen  Cleriker  Rudaker  als
Wohltäter  des  Klosters  (99),  vier  andere  (10(1—102.  104)  Verträge ­
  abschliessend,  von  denen  wir  wohl  voraussetzen  dürfen,  dass
sie  nicht  zum  Nachteile  des  heil.  Sebastian  gereichten.  Dieser
Umstand  spricht  eben  so  sein’  für  Willirams  Klugheit  wie  für  sein
Geschick  Menschen  zu  behandeln.

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