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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 53. Band, (Jahrgang 1866)

Dacier  und  Romanen.

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um  die  Geschichte  des  jazygischen  Volkes,  sondern  um  die  ganze
Weltgeschichte,  wie  um  das  Verständnis  der  alten  Classiker  und
selbst  der  Bibel  unvergängliches  Verdienst  erworben“  und  fuhrt  nun
den  ganzen  Völkerreigen  auf.  Die  ausgedehnte  Arbeit  zeichnet  sich
durch  dieselbe  allseitige  Lectüre  und  denselben  Mangel  an  Kritik  aus,
und  ist  nur  noch  überraschender,  da  den  Verfasser  als  Deutschen  die
nationale  Befangenheit  des  Magyaren  nicht  beirren  konnte.  Ein  Beispiel
dieser  eigentlnimlichen  Art  von  Ethnographik  genüge:  „Eine  bisher
ganz  unbekannte  Benennung  des  Volkes  Jazygen  ist  die  der  Jonier.
Es  trugen  nämlich  die  Griechen  die  Bedeutung  des  Wortes  Jäsz  =
bogenverständig,  noch  auf  eine  andere  Art  in  ihre  reiche  Sprache
über.  Da  in  derselben  nicht  nur  röfov,  sondern  auch  16,  nach  alter
Form,  wie  in  loyjcupa,  telis  gaudens,  der  Pfeil  heisst,  so  bildeten
sie  daraus  mit  Hilfe  der  Silbe  ov,  auf  welche  sich  gewöhnlich  die
Völkernamen  endigen,  das  Wort  ’lo-ov,  abgekürzt  'Icnv,  und  bezeichneten
  sie  auch  durch  den  Namen  Jon  das  Volk  der  Jazyger,  sowie
durch  Jonia  das  Land,  in  welchem  sie  wohnten.“  Diese  Eröffnungen
sollen  nach  demselben  Verfasser  eine  Entdeckung  sein,  die  an  Wichtigkeit ­
  keiner  andern  im  Reiche  der  Wissenschaft  nachsteht,  und
über  hundert  Stellen  der  alten  Classiker,  sowie  über  das  ganze
Alterthum  ein  helleres  Licht  verbreite  u.  s.  w.
Y.
Wohin  aber  mit  der  langen  Abschweifung?  sie  soll  wie  eine
Menge  ähnlicher,  die  noch  gemacht  werden  könnten,  ein  Beispiel
gewähren,  wie  gleiche  und  ähnliche  Völkernamen  in  getrennten
Epochen  noch  lange  nicht  auf  Verwandtschaft  oder  Identität  schliessen
  lassen,  und  dass  die  ähnlichsten  Namensklänge  einen  besonnenen
Prüfer  nicht  verführen  dürfen,  weil  so  häufig  ganz  identische  Schälle
in  verschiedenen  Sprachen  die  allerverschiedenste  Bedeutung  einschliessen,
  den  allerheterogensten  Ursprung  haben  können.
Diese  gefährliche  Neigung  J.  Grimms,  auf  Namensähnlichkeiten
in  der  alten  Ethnographie  ein  übermässiges  Gewicht  zu  legen,  zeigt
sich  noch  an  einem  anderen  Puncte  in  derselben  Frage.  Er  äussert
sich  einmal  •):  „Am  leichtesten,  aber  auch  verkehrtesten  scheint  es,

>)  Grimm,  Gesell,  d.  d.  Spr.  S.  229.
            
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