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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 53. Band, (Jahrgang 1866)

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Schere  r

als  Zeugen  bei  ihren  Schenkungen  erscheinen,  erwies  sich  nicht  als
sonderlich  ergiebig.
Williram  sah  sich  daher  ganz  und  gar  auf  die  Hilfsquellen  angewiesen, ­
  welche  sein  eigner  Geist  zu  eröffnen  verstehen  würde.  Und
wenn  ihm  auch  ein  Propst  zur  Seite  stand,  der  bei  der  Direetion  der
Klosterwirtschaft  Hilfe  leistete,  so  wird  diesem  doch  ohne  Zweifel
vorzugsweise  der  geistlose  und  mechanische  Teil  der  Administration
zugefallen  sein,  der  im  regulären  Gange  der  Geschäfte  stets  gleichmässig
  wiederkehrte.
Das  Princip,  auf  welches  die  Verbesserung  der  materiellen  Lage
von  Klöstern  und  Stiftern  gestellt  war,  bestand  in  der  Umsetzung  des
Gebrauchswertes  der  idealen  Güter,  welche  die  Kirche  spendet,  in
den  greifbaren  Tauschwert  reeller  Sachgüter.  Die  Kirche  stellt
gleichsam  einen  Wechsel  auf  die  ewige  Seligkeit  aus  und  bringt  ihn
je  nach  den  veränderlichen  Umständen  des  geistigen  Marktes  zu
höheren  oder  niedrigeren  Preisen  an  den  Mann.  Und  zwar  ist  die
Steigerung  der  Nachfrage  wesentlich  der  Tätigkeit  jener  anheimgegeben, ­
  von  denen  das  Angebot  ausgeht  und  denen  die  Vermehrung
des  Bedarfes  zu  gute  kommt.
Für  alle  Einwirkung  auf  die  Gesinnung  der  Menschen  gibt  es
kein  wirksameres  Mittel  als  das  lebendige  Wort.  Die  bedeutenden
Erfolge  der  Williramschen-Verwaltung  müssen  wir  nicht  am  wenigsten ­
  der  oft  geübten  Kunst  der  Überredung  zuschreiben.
Wie  dem  König  Heinrich  IV.  gegenüber  haben  wir  Williram
ohne  Zweifel  in  seinem  näheren  Kreise  unablässig  heischend  und  begehrend ­
  zu  denken.  Die  Predigt  der  Zeit  bot  willkommene  und  leicht
zu  handhabende  Werkzeuge,  mit  welchen  die  frommen  und  selbst
rauhere  Gemüter  zu  dem  erwünschten  Ziele  gelenkt  werden  konnten.
Besass  sie  nicht  eine  ganz  besondere  Virtuosität  in  der  Ausmalung
des  künftigen  Lebens,  der  himmlischen  Seligkeit?  Weit  kräftiger
aber  wird  sich  die  Schilderung  der  Höllenqualen  erwiesen  haben.
Furcht  vor  den  drohenden  Strafen  ist  der  Hauptbebel  der  damaligen
christlichen  Sittlichkeit.  Todesfurcht  und  welche  schreckliche  zweifelnde ­
  Gedanken  daran  hangen,  treibt  am  mächtigsten  zu  guten
Werken.  Und  unter  den  guten  Werken  obenan  steht  die  Bereicherung
der  todten  Hand.
Durchmustern  wir  die  Vergabungen,  welche  zu  Gunsten  von
Ebersberg  unter  Williram  gemacht  wurden,  so  finden  wir  das  Seelen-
            
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