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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 53. Band, (Jahrgang 1866)

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wunderbaren  Welten,  welche  die  einsame  Betrachtung  eröffnet,  sich
zurückzuziehen,  hat  er  zu  allen  Zeiten  seine  Armut  als  einen  wesentlichen ­
  Nachteil  und  mit  äusserstem  Unbehagen  empfunden.
Dagegen  besass  er  einen  Geist  klarer  Übersicht  und  Ordnung,
der  sich  schon  in  seinem  Stil  ausprägt,  eine  gewisse  reguläre  Anlage,
welche  mit  bedeutender  Begabung  für  die  Administration  verbunden
zu  sein  pflegt.
Umsicht  und  Geschäftskenntniss,  die  Fälligkeit,  in  einen  umfänglichen ­
  Verwaltungsorganismus  einzugreifen  oder  ihn  zu  leiten,  ist  die
Signatur  der  Kirchenfürsten  jener  Zeit:  nicht  viele  alter  besassen
daneben  die  formelle  Bildung,  welche  ihnen  literarische  Tätigkeit
nahegelegt  haben  würde.  Das  besorgten  untergeordnetere  Geister  in
ihrer  Nähe,  welche  von  dem  Glanze  ihres  Ruhmes  bestrahlt,  diesen
auf  nachkommende  Geschlechter  zu  überliefern  strebten.  Die  Bernward, ­
  Meinwerk,  Godehard,  Anno  waren  würdige  Objecte  der  Schriftstellerei, ­
  nicht  aber  selbst  Schriftsteller:  dagegen  haben  es  ein  Lambert
von  Hersfeld,  ein  Otloh  von  Regensburg  nicht  zu  höheren  geistlichen
Würden  gebracht;  über  die  Leitung  einer  Kloster-  oder  Domschule
wird  der  Ehrgeiz  von  ihres  gleichen  nicht  hinausgegangen  sein.
Williram  vereinigt  die  getrennten  Richtungen.  Aber  vielleicht
wäre  auch  er  niemals  zum  Schriftsteller  von  Beruf  geworden,  hätte
ihn  ein  günstigeres  Geschick  zu  höheren  und  einflussreicheren  Stellen,
zu  einer  weiter  greifenden  Wirksamkeit  im  Staate  berufen.
Wir  wissen  nicht,  ob  sich  ihm  bestimmte  Aussichten  solcher
Art  jemals  eröflheten.  Möglich,  dass  ihn  Kaiser  Heinrich  III.,  ehe  er
ihm  Ebersberg  verlieb,  in  seine  Kanzlei  gezogen  hatte.  Wenigstens
war  das  der  gewöhnliche  Weg,  durch  den  man  zu  jener  Zeit  emporgelangte, ­
  und  die  Freundlichkeit,  welche  ihm  der  Kaiser  bewies  und
die  er  später  dem  Sohne  gegenüber  so  laut  rühmte,  muss  doch  wohl
auf  genauerer  persönlicher  Bekanntschaft  beruht  haben.  Wenn  Heinrich ­
  III.  wirklich  das  freie  Wahlrecht  der  Ebersberger  Mönche  um
Willirams  willen  verletzte,  oder  sich  die  Mühe  nahm,  zu  seinen  Gunsten ­
  auf  sie  einwirken  zu  lassen:  so  muss  er  ihm  irgendwie  bereits
wert  geworden  sein  und  er  gewisse  Hoffnungen  auf  ihn  gesetzt
haben:  war  die  Verwaltung  von  Ebersberg  vielleicht  das  Probestück,
das  er  ablegen  sollte,  ehe  ihm  grösseres  anvertraut  wurde?
Ich  weiss  nicht,  ob  sieb  neben  Williram  und  dem  Hersfelder
Ekberl  auch  sonst  noch  um  die  Mitte  des  11.  Jahrhunderts  frän-
            
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