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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 53. Band, (Jahrgang 1866)

Lehen  Willirams,  Abtes  von  Ebersberg  in  ßaiern.

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sieh  —  ganz  richtig  —  die  Bauern  bereitwilliger  dem  fremden
Joche  sich  zu  fügen  als  den  Adel  und  die  Städter,  und  dafür  von
dem  Eroberer  auf  diese  Weise  belohnt.  Auch  die  Strafe  der  Widerspänstigen,
  fühlt  er  das  Bedürfniss,  in  ihrem  einzelnen  Verfahren
und  ihren  Motiven  sich  deutlicher  zu  machen.  Mensus  est  autem
duos  funiculos,  wird  erzählt,  unum  ad  occidendum  et  unum  ad  vivificandum.
  Williram  weiss,  dass  durch  die  Abmessung  der  Seile  die
Alten  dem  Tode  verfielen,  die  Jugend  dem  Lehen  erhalten  blieb.  Und
warum?  den  Jungen  sollte  Furcht  eingejagt  werden,  damit  sie  nicht
wagten  zu  rebellieren.  Er  verfolgt  das  Verfahren  Davids  unterworfenen ­
  Völkern  gegenüber  noch  weiter.
Keine  grössere  Grausamkeit,  als  wie  uns  die  Behandlung  der
Ammoniten  geschildert  wird:  populum  adducens  serravit  et  circumegit
super  eos  ferrata  carpenta  divisitque  cultris  et  traduxit  in  typo
iaterum.  Williram  erhöht  die  Grausamkeit,  indem  er  die  durch  Sichelwagen ­
  Zerschnittenen  noch  durch  Feuer  brennen  lässt  (auch  das
Bild  von  den  Ziegeln  führt  er  näher  aus),  versinnlicht  den  Schmerz
der  mit  Messern  Zerschnittenen,  indem  er  an  jenen  fetten  Agag  erinnert, ­
  der  vor  der  tödtenden  Bechten  Samuels  zitterte  (1  Beg.  15,
32):  behauptet  aber  dennoch  von  David:
Non  quasi  zelotipus,  sed  verus  legis  amicus
Vindictae  paenas  malefactis  intulit  aequas.
Darin  darf  man  nun  nicht  etwa  einen  Zug  von  Grausamkeit
sehen:  es  liegt  nur  die  Anschauung  der  Strafe  als  einer  Bache  dabei
zu  Grunde,  deren  Grösse  nach  der  Grösse  des  bestraften  Verbrechens
bemessen  wird.  Williram  zeigt  sich  im  Gegenteile  feinfühlend,  indem ­
  die  einzige  biblische  Situation  die  es  von  der  poetischen  Seite
über  ihn  gewann,  die  Empfindungen  einer  Mutter  bei  dem  Anblicke
ihres  bedrohten  Kindes  zum  Inhalte  hat.  Es  ist  die  oben  schon  berührte ­
  aus  der  Geschichte  des  Moses.  Hier  allein  finde  ich,  dass  unser
Dichter  den  Stoff  mit  einigen  individuellen  Zügen  bereichert.  Der
Text  war  hier  ganz  besonders  mager,  dem  Williram  aber  schwebt
die  ganze  Scene  in  vollkommener,  ausführlicher  Deutlichkeit  vor:
wie  der  Engel  (den  setzt  er  statt  Jehovah)  mit  gezücktem  Schwerte
sich  auf  das  Kind  stürzt,  wie  ihm  Sephora  in  höchster  Aufregung  die
Arme  entgegenstreckt,  den  Sohn  schnell  beschneidet  und  dann,  zusammengesunken ­
  vor  Schrecken,  zornig  Moses  von  sich  stösst  und
            
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