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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 53. Band, (Jahrgang 1866)

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Schere  r

Dieselben  beziehen  sich  auf  1  Reg.  13,  I:  Filius  unius  anni  erat
Saul,  cum  regnare  coepisset,  duobus  autem  annis  regnavit  super
Israel.  Die  Stelle  steht  in  der  Vulgata  wunderlich  genug  da:  Willirams
  Verse  sollen  eine  Erklärung  geben.  Aber  wird  jemand  ohne  besondere ­
  Veranlassung  eine  für  sich  so  gar  nichts  bedeutende  Lösung
einer  Schwierigkeit  des  Verständnisses,  wäre  sie  auch  ebenso  richtig
wie  die  vorliegende  misslungen,  zu  einem  Gedicht  verarbeiten?  Die
Sache  ist  so  unbedeutend,  dass  sie  auch  für  den  Dichter  selbst  nur
durch  besondere  Umstände  Bedeutung  gewinnen  konnte.  Man  denkt
leicht  an  einen  gelehrten  Streit,  bei  welchem  Willirams  Ansicht
in  glänzender  Weise  siegte  und  so  sich  ein  Recht  auf  dieses
Denkmal  erwarb.  Oder  vielleicht  wusste  er  gar  in  der  Discussion
  selbst  seine  Meinung  gleich  in  den  mitgeteilten  Versen  zu
formulieren,  und  sein  versificatorisches  Talent  erntete  gerechten
Beifall.
Die  Bücher  der  Könige  scheinen  Williram  ziemlich  angelegentlich ­
  beschäftigt  zu  haben,  und  wäre  es  nicht  ein  verdienstliches
Werk  gewesen,  sie  seinen  Zeitgenossen  ausgestattet  mit  dem  poetischen ­
  Schmucke,  der  sie  in  ihren  Augen  erhöhen  konnte,  recht
lebendig  vorzuführen  und  nahe  zu  bringen?  Wir  wissen  nicht  ob
Williram  etwas  ähnliches  beabsichtigte:  es  hätte  der  damals  noch
weltlicheren  Richtung  des  Dichters  wie  seines  geistlichen  Publicums
sehr  wohl  angestanden.
Alle  drei  Themen,  die  er  zur  Behandlung  herausgriff,  hat  er  mit
den  entsprechenden  Abschnitten  der  Bücher  der  Chronik  comhiniert,
einmal  auch  Nachrichten  des  Josephus  herbeigezogen.
In  seiner  Erzählung  von  der  Einnahme  Jerusalems  durch  David
sind  einzelne  Wendungen  den  classischen  Poeten  abgelernt:  wenn
auch  ohne  eigentliche  Nachahmung:  kurz  und  knapp,  aber  anschaulich, ­
  lebendig  und  frisch  führt  er  uns  den  Verlauf  des  Ereignisses ­
  vor.
Die  Unterwerfung  der  Moabiten  und  Ammoniten  durch  denselben ­
  David  versiebt  er  etwas  reichlicher  als  er  sonst  gewohnt,  mit
eigenen  Zusätzen.  Wenn  es  im  Texte  heisst  „factusque  est  Moab
David  serviens  sub  tributo“,  so  drängen  sich  dabei  der  Vorstellung
des  Dichters  analoge  Verhältnisse  seiner  Zeit  und  Umgebung  mit
ihrem  ganzen  Detail  auf:  David  erscheint  ihm  wie  ein  reicher  Landbesitzer, ­
  der  seine  Grundstücke  an  Zinsbauern  verteilt,  und  er  denkt
            
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