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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 53. Band, (Jahrgang 1866)

Scherer

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es  unter  der  Leitung  des  Abtes  Richard  (1018—1039)  einen  bedeutenden ­
  Aufschwung  genommen  zu  haben  (vergl.  Dronke  Cod.
Diplom.  Nr.  734—744).  Wenigstens  preist  ihn  dafür  sein  Epitapli
(Schannat  a.  0.  142):
Inclita  sul)  magno  fuerat  quae  Fulda  Richardo
Orba  parente  suo  tlet  super  hoc  tumulo.
Es  war  dies  die  Zeit  einer  hohen  BI  fite  fränkischer  Schulen
überhaupt:  in  Mainz  wirkte  Ekkehard  IV.  von  S.  Gallen,  in  Speier
der  Schwabe  Benno,  nachmals  Bischof  von  Osnabrück,  in  Würzburg
neben  dem  hochgebildeten  Bischof  Meinhard  ein  Magister  Pernolf,
in  Hersfeld  jener  Albwin,  dem  Wolfher  sein  Leben  Godehards  widmete; ­
  Bambergs  Domschule  war  durch  einen  Lütticher  Meister  inauguriert ­
  worden.  Die  Art  der  Bildung  die  man  empfieng  wird  überall
ziemlich  die  gleiche  gewesen  sein:  eine  angenehme  Mischung  von
Classischem  und  Biblischem  wie  in  dem  Sangallen  des  Notker  Labeo:
römische  Antiquitäten  dürfen  in  die  Erklärung  der  Bibel  eingemischt
werden,  der  Logik  wird  ein  ausgedehnter  und  höchst  verständiger
Betrieb  gewidmet,  auch  Producte  des  elassischen  Altertums  erhalten
ihren  deutschen  Commentar.  Damals  trug  Alles  noch  den  Charakter
des  Soliden,  Prunklosen  und  Trockenen.  Um  1020  war  es  anders
geworden:  Wolfhers  Widmung,  schülerhaft  wie  sie  ist,  gewährt
uns  einen  unmittelbaren  Einblick  in  die  herrschende  Schulbildung:
ein  wunderliches  Gemisch  classiscber  und  physischer  Gelehrsamkeit
neben  der  christlichen  macht  sich  mit  viel  eitlem  Behagen  breit.
Wipos  Gestalt  zeigt,  welcher  Vertiefung  und  Vervollkommnung  diese
Richtung  fähig  war,  so  dass  wir  sie  um  seinetwillen  nicht  ohne  Sympathie ­
  betrachten,  ln  Williram  und  Otloh  erst  sehen  wir  die  Wendung ­
  eingetreten,  mit  welcher  sich  die  Theologie  dem  Classicismus
entgegensetzt,  und  das  Studium  des  Altertums  um  seiner  selbst
willen  perhorresciert.  Es  bezeichnet  die  neue  Richtung,  wenn  Rudolf
von  S.  Tron  (SS.  10,  232)  Hersfeld  schildert  als  locus  regius,
studiis  artium  liberalium  mundanarumque  rerum  gloria  egregie  praecipuus,
  und  wenn  er  sich  bei  seiner  persönlichen  Anwesenheit  täglich ­
  von  neuem  entsetzt  über  die  liberalium  artium  apud  fratres

2o3  Manicipien,  23  Villen,  J  70  Hufen  geschenkt:  Eberhard  c.  41,  31  bei  Dronke
Trad.  Fuld.  S.  97.
            
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