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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 53. Band, (Jahrgang 1866)

Leben  Williranu,  Abtes  von  Ebersberg  in  Baiern.

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abbas“  nennen  durfte.  Aber  erwägen  wir,  dass  in  demselben  Manuscripte
  auch  das  Annolied  einst  enthalten  war,  erwägen  wir,  dass
Anno  gleichfalls  durch  die  Schule  und  das  Schulvorsteheramt  in
Bamberg  hindurchgieng,  erwägen  wir,  dass  keine  andere  Handschrift
sämmtliche  Titel  Willirams  an  der  Stirne  trägt  i)  und  dass  Niemand
ein  Interesse  hatte,  seine  ehemalige  Bamberger  Stellung  hervorzuheben, ­
  als  wer  in  Bamberg  oder  mit  besonderem  Bezug  auf  Bamberg
schrieb:  so  liegt  es  nahe,  die  Breslauer  Handschrift  für  eine  Bamberger ­
  Arbeit  zu  halten,  welche  das  Andenken  zweier  Bamberger
Berühmtheiten,  der  einen  durch  ihre  eigene  litterarische  Hervorbringung, ­
  der  anderen  durch  die  begeisterte  Schilderung  eines  Überlebenden, ­
  auf  die  Nachwelt  bringen  sollte.  Wäre  in  Bamberg  selbst
die  Bezeichnung  „Abt“  unterdrückt  worden,  so  hätte  dies  die  Absicht
eingegeben,  sich  Williram  ganz  und  gar  zu  vindicieren.  Aber  warum
verschwieg  man  dann  nicht  lieber  auch,  dass  er  aus  dem  Kloster
Fulda  hervorgegangen  war?  Auch  monachus  Fuldensis  wird  Williram
in  keiner  Überschrift  eines  anderen  Manuscripts  genannt,  und  wer
hatte  ausser  den  Fuldaern  ein  Interesse  dies  hervorzuheben?  Niemand
als  er  selbst,  der  wirklich  auch  sonst  sich  auf  sein  Fuldaer  Mönchtum ­
  berief,  in  seinem  Epitaph  und  in  der  Widmung  an  Heinrich  IV.,
wo  er  in  „sein  Kloster“  zurückverlangt.  Wenn  vielleicht  Williram
selbst  nach  Bamberg  ein  Exemplar  seines  Werkes  sandte  (und  es
wäre,  auch  ganz  abgesehen  von  der  Breslauer  Handschrift,  wahrscheinlich, ­
  dass  er  dies  getan),  so  hatte  die  Verschweigung  des
Titels,  der  ihn  über  das  Schulvorsteheramt  in  Bamberg  erhöhte,  ungefähr ­
  denselben  Sinn,  als  wenn  er  ausdrücklich  versicherte:  zwar
bekleide  ich  die  Würde  eines  Abtes  in  Ebersberg,  aber  im  Herzen
fühle  ich  mich  immer  noch  als  scholasticus  Babinbergensis  und  das
Amt,  das  ich  in  lebendiger  persönlicher  Tätigkeit  nicht  mehr  fortführen ­
  kann,  will  ich  wenigstens  auf  litterariscliem  Wege  noch

r )  Nur  eine  Kölner  Hs.  des  12.  Jahrhunderts,  jetzt  in  Wolfenbüttel,  (ich  habe  sie
durch  Dr.  Bethmanns  und  Prof.  Jaffes  Güte  in  Berlin  benutzen  können),  ohne  Zweifel ­
  auf  gleiche  Quelle  zurückgehend,  gewährt  ebenfalls  diese  Überschrift,  indem
sie  nach  „Fuldensis“  ein  „autem“  einschaltet.  Es  ist  selbstverständlich,  dass  sehr
wohl  auch  durch  blosse  Sorglosigkeit  des  Rubricators  der  gemeinsamen  Quelle
(und  diese  Leute  sind  nichts  weniger  als  durch  besondere  Sorgfalt  ausgezeichnet)
vor  „Babinbergensis  scholastici,  Fuldensis  autem  monachi“  die  Worte  „Eberespergensis
  abbatis“  verloren  gegangen  sein  können.
Sitzb.  d.  phil.-hist.  CI.  LIII.  Bd.  1.  Hft.

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