Leben Williranu, Abtes von Ebersberg in Baiern.
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abbas“ nennen durfte. Aber erwägen wir, dass in demselben Manuscripte
auch das Annolied einst enthalten war, erwägen wir, dass
Anno gleichfalls durch die Schule und das Schulvorsteheramt in
Bamberg hindurchgieng, erwägen wir, dass keine andere Handschrift
sämmtliche Titel Willirams an der Stirne trägt i) und dass Niemand
ein Interesse hatte, seine ehemalige Bamberger Stellung hervorzuheben,
als wer in Bamberg oder mit besonderem Bezug auf Bamberg
schrieb: so liegt es nahe, die Breslauer Handschrift für eine Bamberger
Arbeit zu halten, welche das Andenken zweier Bamberger
Berühmtheiten, der einen durch ihre eigene litterarische Hervorbringung,
der anderen durch die begeisterte Schilderung eines Überlebenden,
auf die Nachwelt bringen sollte. Wäre in Bamberg selbst
die Bezeichnung „Abt“ unterdrückt worden, so hätte dies die Absicht
eingegeben, sich Williram ganz und gar zu vindicieren. Aber warum
verschwieg man dann nicht lieber auch, dass er aus dem Kloster
Fulda hervorgegangen war? Auch monachus Fuldensis wird Williram
in keiner Überschrift eines anderen Manuscripts genannt, und wer
hatte ausser den Fuldaern ein Interesse dies hervorzuheben? Niemand
als er selbst, der wirklich auch sonst sich auf sein Fuldaer Mönchtum
berief, in seinem Epitaph und in der Widmung an Heinrich IV.,
wo er in „sein Kloster“ zurückverlangt. Wenn vielleicht Williram
selbst nach Bamberg ein Exemplar seines Werkes sandte (und es
wäre, auch ganz abgesehen von der Breslauer Handschrift, wahrscheinlich,
dass er dies getan), so hatte die Verschweigung des
Titels, der ihn über das Schulvorsteheramt in Bamberg erhöhte, ungefähr
denselben Sinn, als wenn er ausdrücklich versicherte: zwar
bekleide ich die Würde eines Abtes in Ebersberg, aber im Herzen
fühle ich mich immer noch als scholasticus Babinbergensis und das
Amt, das ich in lebendiger persönlicher Tätigkeit nicht mehr fortführen
kann, will ich wenigstens auf litterariscliem Wege noch
r ) Nur eine Kölner Hs. des 12. Jahrhunderts, jetzt in Wolfenbüttel, (ich habe sie
durch Dr. Bethmanns und Prof. Jaffes Güte in Berlin benutzen können), ohne Zweifel
auf gleiche Quelle zurückgehend, gewährt ebenfalls diese Überschrift, indem
sie nach „Fuldensis“ ein „autem“ einschaltet. Es ist selbstverständlich, dass sehr
wohl auch durch blosse Sorglosigkeit des Rubricators der gemeinsamen Quelle
(und diese Leute sind nichts weniger als durch besondere Sorgfalt ausgezeichnet)
vor „Babinbergensis scholastici, Fuldensis autem monachi“ die Worte „Eberespergensis
abbatis“ verloren gegangen sein können.
Sitzb. d. phil.-hist. CI. LIII. Bd. 1. Hft.
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