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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 53. Band, (Jahrgang 1866)

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H  o  e  s  1  e  r

noch  lange  fort.  Am  linken  Ufer  aber  wie  in  dem  Donaumündungslande ­
  fand  eine  bedeutende  Mischung  getischen  Blutes  mit  sarmatischem
  und  scythischem  Statt,  und  der  getische  Name  verlor  sich
allmählich  in  den  zahlreicheren  anderen  Elementen.  Die  dacische
Bevölkerung  wurde  durch  den  doppelten  Krieg  Trajans  geschwächt,
zahlreiches  Volk  mochte  in  die  Sklaverei  wandern,  um  der  Neubevölkerung
  Platz  zu  machen  und  die  Ausgewanderten  unter  den
ferneren  Nachbarn  bald  ein  namenloses  Dasein  weiter  leben.  An  diesem ­
  Vorgänge  gibt  es  nichts  Unerklärliches  und  nichts,  das  nicht
hundertmal  in  der  Weltgeschichte  vorkam,  zu  wiederholten  Malen
gerade  in  jenen  Gegenden  sich  ereignete,  wo  die  Donaumündungen
die  Grenze  des  ungeheueren  Nordosteuropa  berühren.  Hunnen  und
Avaren,  Chazaren,  Petsclienegen,  Usen  u.  s.  w.  traten  hier  auf,  kamen ­
  und  giengen,  erschienen  und  verschwanden,  und  es  blieb
keine  Spur  von  ihren  Pfaden.
Und  die  ähnlichen  Namen  an  derselben  Stelle?  Bei  genauerem
Einblick  in  die  Ethnographie  würden  sich  viele  solcher  Zufallsspiele
darbieten.  Auch  in  unseren  Gegenden.  Ich  hebe  beispielsweise  eines
davon  heraus:  Die  Jazyges  der  Römer  und  die  Jazygen  des  heutigen
Ungarns.  Die  ersteren,  welche  ein  sarmatisches  Volk  sind,  alteinheimisch ­
  wie  es  scheint,  an  den  Ufern  des  asowschen  Meeres,  Feinde
des  mit  ihnen  oft  verwechselten  scythischen  Volkes,  erscheinen  im
1.  Jahrhundert  v.  Chr.  an  der  unteren  Donau  und  erhöhen  die  Buntheit ­
  der  barbarischen  Musterkarte  im  feuchten  Delta  dieses  Stromes.
Doch  auch  andere  Gegenden  erscheinen  von  ihnen  bewohnt.  Über
die  Karpaten  niedersteigend,  lassen  sie  sich  rechts  von  den  Quaden
nieder  zwischen  Donau,  Theiss  und  dem  Gebirge,  das  sie  hinter  sich
gelassen,  und  da  sie  Auswanderer  waren,  nannte  man  sie  Jazyges
Metanastae  (MsTavaazai)  oder  Auswanderer  schlechthin.  Weil  sie
aber  sarmatischen  Stammes  waren,  hiessen  sie  auch  Sarmaten.  Ein
streitbares  Reitervolk,  haben  sie  die  Eigenthümlichkeiten,  die  ein
solches  Kriegswesen  mit  sich  bringt.  Im  Anschlüsse  an  die  Quaden
bilden  die  Jazygen  eine  nicht  verächtliche  Kriegsmacht.  Dennoch
war  Decebalus  imstande,  ihnen  einen  Theil  ihres  Besitzes  zu  entreissen
  und  Trajanus,  der  sie  als  gefährlich  kannte,  hütete  sich  ihnen
das  Entrissene  zurückzustellen  Später  stets  Feinde  der  Römer,

1 )  Dio  Cass.  78,  il.
            
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