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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 53. Band, (Jahrgang 1866)

Dacier  und  Romanen.

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um  eine  Gleichung  deutscher  und  gothischer  Wörter  herauszubringen, ­
  dass  im  Getischen  schon  der  Zischlaut  entwickelt  war,  wo  im
Deutschen  noch  der  Guttural  haftete  (s.  z.  B.  Berichte  über  die
Verhandlungen  der  Berliner  Akad.  1849,  S.  131),  so  gibt  man  offenbar ­
  auf,  was  man  beweisen  will,  die  Identität  der  beiden  Sprachen
und  Völker,  und  es  scheint  nur  noch  eine  sonderbare  Laune,  das
festzuhalten,  worauf  in  nicht  eben  glücklicher  Stunde  ein  Einfall
zuerst  geführt  hatte"  ').

IV.
Wenn  nun  derart  die  Schwäche  der  sprach  vergleich  enden ­
  Seite  zu  Tage  getreten  ist,  so  wurde  von  dem  historischen
Standpuncte  aus  mit  nicht  weniger  Entschiedenheit  entgegnet  ~).
Es  ist  unter  andern  klar,  wie  schwach  das  Argument  ist,  dass
durch  das  Verkennen  ihrer  Verwandschaft  mit  den  Geten  den
Deutschen  ein  Anhalt  in  der  älteren  Geschichte  genommen  werde,
das  Verschwinden  der  Geten  unerklärlich  bleibe  3 )  und  es  der
unbegreiflichste  Zufall  wäre,  dass  zwei  gl  e  i  chnamige  (?)  Völker
sich  unmittelbar  in  derselben  Gegend  folgen  sollten,  ohne  etwas  mit
einander  gemein  zu  haben  4 ).
So  gewinnend  die  Perspeetive,  namentlich  für  einen  Deutschen
wäre,  die  Geschichte  derselben  um  einige  Jahrhunderte  früher  zu
eröffnen,  was  hilft’s,  wir  müssen  sie  im  Stiche  lassen,  wenn  sie  den
von  den  besten  Zeugen  des  Alterthums  überlieferten  Thatsachen  und
Zuständen  total  widerstreitet.  Das  Verschwinden  jedocb  zu  erklären,
wird  es  nicht  so  schlimme  Wege  haben.  Wir  wissen  von  wiederholten ­
  Verpflanzungen  getischer  Bevölkerung  auf  das  rechte  Donauufer ­
  durch  die  Römer  5 );  unter  dem  Namen  Moesier  lebten  sie  hier

J )  Ähnlich  strenge  äussert  sieh  Waifz,  Verfassungsgeschichte  II,  S.  XIII:
„Wäre  es  nicht  Grimm,  der  solches  ausspräche,  man  dürfte  es  vielleicht
unbeachtet  lassen.“
So  namentlich  von  Sybel,  in  Sehmidt’s  historischer  Zeitschrift,  VII.  Bd.
und  0.  Abel  in  Makedonien  vor  König  Philipp,  S.  270.
3 )  Geschichte  der  deutschen  Sprache  I,  172.
»)  A.  a.  0.  I,  182.
5 )  S.  meine  Schrift:  Das  vorrömische  Dacien  S.  64.
Sitzb.  d.  phil.-hist.  CI.  Uli  Bd.  I.  Hft.

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