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R o e s I e r
auch zum Abschlüsse gebracht; freilich im Sinne derjenigen, welche
das Verwandtschaftsverhältniss der Geten und Gothen in Abrede
stellten, also im offenen Gegensätze zu J. Grimms Behauptungen
selbst, der auch ferner an ihnen hieng und sie mit vielem Eifer vor
den Angriffen der Gegner zu schützen bemüht war. Aber die Irrthümer
der grossen Forscher sind ja häufig reiche Quellen des Fortschritts.
— Die Gründe Wirths gehen fast durchaus darauf hin, die
Ähnlichkeit der Sitten hei Geten und Gothen nachzuweisen, woraus
dann ihre Verwandtschaft abzuleiten ihm weiter kein Bedenken macht.
Aber auf gewissen Culturstufen zeigen die heterogensten Volksstämme
überraschende Ähnlichkeiten und das zufällige Zusammenstimmen
einzelner Gebräuche und Ansichten darf hier lange nicht
jene Bedeutung ansprechen, die ihm Viele beizulegen so rasch sich
verfuhren liessen. J. Grimms Argumente waren theils sprachlicher,
theils historischer Natur, auch die Gegner äusserteu sich in zweifacher
Dichtung. Wenn ich die linguistische Erwägung im Einzelnen
den Kennern der deutschen Sprachwissenschaft überlasse, so
wird es mir erlaubt sein, den Andeutungen einer Autorität *) Beifall
zu schenken, die mit scharfem Auge auf entscheidende Puncte aufmerksam
machte. Das Hauptargument Grimms, „die Namensidentität,
wird hinfällig, sobald man sieht, dass Grimms Guthai, Guthos oder
Guthans nur statt gothischen Gutös, altn. Gotar oder Gotnar, ags.
Gotan, ahd. Gozon oder Gozä seiner Hypothese zu Liebe erfunden
worden 2 ), nachdem in der Stelle bei Plinius (IV, 18) der Text der
Bücher Aorsi Gaudae Clariaeque durch die genaue Einsicht der Handschriften
in aedis caugde claneaeque verändert worden und so einer
der wichtigsten Anhaltspuncle plötzlich abfiel. Räumt man ein, dass
dasGetische oder Dakische noch nicht die deutsche Verschiebung der
Consonanten kennt (Gesell, der deutschen Spr. 436), muss man auch
zugeben, dass Getae, den Wechsel der Vocale angenommen, im
Munde der Gothen Kuthai lauten musste: durch Anomalien und problematische
Vergleichungen das beliebte Guthai rechtfertigen wollen,
heisst den Beweis aufgeben; muss man nun ausser dem Mangel der
Lautverschiebung — d. h. des charakteristischen Zeichens deutscher
Sprache unter den ihr stammverwandten — auch noch zugestehen,
l ) Möllenhoff in Ersch und Grubers Encyklopädie, Artikel Geten, S. 463.
Q D. Grammat. I, 86. Haupts Zeitschrift f. d. g. Alt, IX, 244.