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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 53. Band, (Jahrgang 1866)

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S  c  h  e  r  e  r

Das  liebevolle  Verweilen  auf  dem  Weltlichen,  das  es  beinahe
mehr  zu  einer  Hauschronik  der  Grafen  von  Ebersberg  macht,  als  zu
einer  Klosterchronik,  bildet  das  Auszeichnende  an  unserem  Geschichtswerke. ­
  Wie  viele  geistliche  Chronisten  wären  nicht  achtlos  vorüber
gegangen  an  einer  Gestalt  wie  dieser  Graf  Ulrich.  Aber  man  muss
auch  erwägen,  dass  der  Abt  Altmann  (1016—1043)  wie  sein  Nachfolger ­
  Etich  (1043—1047)  selbst  der  gräflichen  Familie  angehörten,
und  dass  unter  dem  unmittelbaren  oder  mittelbaren  Einflüsse  ihrer
Verwaltung  die  Abfassung  des  Werkes  stattfand.
Über  die  näheren  Umstände  dieser  Abfassung  ist  es  mir  freilich
nicht  gelungen,  zu  festen  Resultaten  zu  gelangen.  Nicht  einmal  die
Einheit  des  Verfassers  steht  fest.  Von  dem  Hauptteile  unserer
Chronik,  der  bis  auf  Graf  Ulrichs  Tod  reicht,  unterscheidet  sich
sehr  wesentlich  der  Schluss.  Keine  Spur  anekdotischer  Elemente
darin,  jedes  reinreferierende  Wort  gewissermassen  mit  dem  Stempel
beglaubigter  Geschichte  versehen.  Überdies  neben  dem  inneren
Unterschiede  des  Charakters  der  Überlieferung  ein  Unterschied  in
der  Form  der  Aufzeichnung:  keine  zusammenhängende  Erzählung,
sondern  die  Weise  der  Annalen.  Vor  allem:  der  weitere  Bericht  über
die  Vermehrung  der  Klostergüter,  welcher  gerade  in  den  Dreissiger
und  Vierziger  Jahren  des  11.  Jahrhunderts  besonders  reichhaltig
ausgefallen  wäre,  gänzlich  unterlassen.
Doch  lässt  sich  für  den  letzteren  Umstand  eine  Erklärung
finden  die  unten,  wo  ich  vom  Codex  traditionu'm  rede,  erwähnt
werden  soll,  und  die  verschiedene  Form  der  Aufzeichnung  kann  eben
der  verschiedene  Charakter  der  Überlieferung  bewirkt  haben.  Zudem
scheint  die  Fassung  der  Prophezeiungen,  die  Graf  Ulrich  erhält
oder  ausspricht,  eine  derartige,  dass  sie  die  Erfüllung,  welche  erst
in  die  Zeit  des  Aussterbens  seines  Geschlechtes  fällt,  schon  voraussetzt. ­
  Und  wenn  dort,  wo  noch  keine  so  zu  sagen  gewerbsmässige
Geschichtschreibung  existiert,  die  historischen  Werke  meist  unter
dem  Eindrücke  hervorragender  und  Aufmerksamkeit  oder  Staunen
erregender  Ereignisse  entstehen,  so  gab  unserem  Verfasser  offenbar
eben  der  Ausgang  dieser  mächtigen  und  reichen  Familie  den  entscheidenden ­
  Anstoss.
Soviel  ist  gewiss:  wer  am  Schlüsse  das  zusammenfassende
Urteil  über  die  vier  Benedictineräbte  (Reginbold,  Altmann,  Etich,
Ekbert),  die  Williram  vorangiengen,  niederschrieb,  muss  dies  in  der
            
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