Leben Willirams, Abtes von Ebersberg in Baiern. 225
nach ungefährer Vermutung zwei Decennien zurückrechnend, den
Tod Sigihards eingetragen.
Auf mündlicher Tradition beruhen dagegen ohne Zweifel alle die
Verwandtschaftsverhältnisse der Ebersberger betreffenden Notizen.
Irrtümer darin sind nicht gut denkbar: nur jene Willibirg könnte
durch das Lied dem jüngeren Geschlechte zugetragen sein, und
wenn das Lied selbst über die Art der Verwandtschaft nichts enthielt,
so möchte allerdings die Angabe der Chronik; dass sie Eberhards
Schwester gewesen, auf blosser Vermutung beruhen. Im
übrigen erstrecken sich die ausführlicheren Nachrichten, die sie
bringt, nur auf die zwei letzten Generationen, Ulrichs Söhne und
Enkel. Auch Ulrichs Schwester wird genannt und besprochen, höher
hinauf nur Ulrichs Vater, Oheim, Grossvater und Urgrossvater.
Auch die Notiz über Sigihard qui fiscale forum habuit secus emporia
fluvii Semitaha und über Ratolt qui in divinis secularibusque rebus
erat nimis strenuus, ob quod ei Caesar Karentinos terminos tuendos
commisit — stammt ohne Zweifel aus den Familienerinnerungen.
Die kärntnische Stellung Ratolts hat man bezweifelt (Hirsch a. 0.
S. 39 n. 4, S. 135 n. 5), ohne hinlänglichen Grund, wie es scheint,
so lange man den comitatus Ratohli von 975 anerkennen muss: überdies
begegnet ein Ratold de Semitaha, vielleicht Neffe von Eberhards
Vater in der Ebersberger Stiftungsurkunde, Cod. tr. 17.
Ein anderes Stück der gräflichen Familiennachrichten ist an so
unpassender Stelle eingefügt, dass der Gedanke einer zufälligen
Einfügung sich aufdrängt. S. 13 bei Oefele (S. 13, Z. 15 bei Pertz)
wird für die Dedication der Ebersberger Kirche die Jahreszahl 970
angegeben. Dann reihen sich mit „Post haec“ Familiennachrichten an:
Uodalricus genuit Adalperonem, Eberhardum u. s. w. bis : Eberhardus
vero duxit Adelheidem Saxonem quae tres genuit filios quorum —
womit dieselben abbrechen und von den Worten „biennio vix a°. 972
Hunfridus moritur“ an der Aufzählung der Pröpste Platz machen. Die
Lücke scheint unverkennbar, aber auch, wie ich glaube, die notwendige
Beziehung des biennio vix auf das Datum der Dedication.
Und in der Tat, reiht man biennio vix unmittelbar an Post haec, so
hat alles untadellichen Zusammenhang. Dann müssen jedoch die Familiennachrichten
erst hinterher eingeschaltet und überdies dabei ihr
Schluss verloren gegangen sein, worin gesagt war, dass die drei Söhne
Eberhards kurz hinter einander oder in frühester Kindheit starben.
Sitzb. d. phil.-hist. CI. LIII. Bd. I. Hft.
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