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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 53. Band, (Jahrgang 1866)

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Scherer

Nachdem  wir  die  Tragweite  der  von  der  alten  Ebersberger
Chronik  uns  überlieferten  Nachrichten  nach  einigen  Seiten  hin  ins
Licht  gesetzt,  fragen  wir  nach  den  ferneren  schriftlichen  oder  mündlichen ­
  Quellen  dieses  Werkes.
Was  die  ersteren  anlangt,  so  liegt  vor  Augen,  dass  der  Verfasser ­
  sich  des  Codex  traditionum  von  Ebersberg  an  mehreren  Stellen
seiner  Arbeit  bediente:  so  bei  der  ersten  Ausstattung  des  Stiftes,
so,  wie  wir  gesehen  haben,  hei  der  Geschichte  von  Ulrichs  Kindheit, ­
  und  so  im  weiteren  Verfolge  von  Ulrichs  Geschichte  noch  an
drei  Stellen.  Wohl  aus  dem  Necrologium  hat  er  den  Todestag  Ulrichs
entnommen.  Und  die  Aufzeichnungen,  die  über  die  Verwaltungsdauer
der  Pröpste  und  Äbte  regelmässig  gemacht  wurden,  lagen  ihm  vor.
Ausserdem  benutzte  er  zwei  Urkunden  Kaiser  Arnulfs  für  Graf  Sigihard,
  wovon  die  eine  uns  noch  erhalten  blieb,  und  hat  wohl  auch
die  übrigen,  die  wir  kennen,  gesehen 1 ).  Aus  einer  schriftlichen
Quelle  ist  auch  vermutlich  die  Angabe  geflossen,  dass  Sigihard  906
gestorben  sei.  Die  Angabe  ist  falsch,  denn  noch  907  wird  der  comitatus
  Sigihardi  erwähnt  (Dümmler  ostfr.  Reich  2,  4S6),  aber  die
mündliche  ■  Überlieferung  bekümmert  sich  nicht  um  Jahreszahlen,
und  Willkür!ichkeit  des  Verfassers  würden  wir  nur  dann  voraussetzen, ­
  wenn  er  seine  Schlüsse  und  Berechnungen  auf  die  Todesdaten
der  übrigen  Grafen  ausgedehnt  hätte.  Es  liegt  nahe,  sich  etwa  vorzustellen, ­
  es  habe  Jemand  in  das  Exemplar  der  Reichenauer  Annalen
welches  das  Stift  besass,  von  dem  Jahre  des  Ungarneinfalles  926

1 )  Arnolfus  Caesar  lillus  Karolomanni,  quia  consanguineus  erat,  —  Sigihardum  multis
ditans  prediis,  ad  novi  castri  supplementum  dedit  tres  niansos  in  villa  Chagininga
et  tres  in  villa  Otinga  cum  omnihus  ad  eos  pertinentihus,  traditionem  firmans
testamento  regale  sigillum  habente.  Aus  den  letzten  Worten  geht  hervor,  dass  der
Verfasser  die  Urkunden  seihst  vor  Augen  hatte,  die  drei  Mansen  in  Chagininga
sind  Böhmer  reg.  Karol.  nr.  1122,  wie  Diimmler  ostfränk.  Reich  2,  486  f.  n.  80
bemerkte,  der  auch  die  übrigen  Schenkungen  Arnolfs  an  Sighard  zusammenstellt, ­
  an  die  der  Chronist  bei  seinem  „multis  ditans  praediis“  gedacht  haben  mag.
Die  Urkunde  Otto’s  I.  für  Graf  Eberhard  auf  die  sich  Dümmler  a.  0.  für  die  Gaugrafschaft ­
  Sighards  im  Chiemgau  beruft,  will  Hirsch  Heinrich  I.  Bd.  1,  S.  43,  n.  2,
S.  133  n.  5,  ich  lasse  unentschieden  ob  mit  Recht,  nicht  auf  die  Ebersberger  beziehen. ­
  Dagegen  wird  Hirsch’  Bemerkung  über  das  Gaugrafenamt  der  Ebersberger
a.  0.  S.  130  nun  durch  Diimmlers  Nachweis  ,  dass  Sighard  Graf  im  Salzburggaue
gewesen,  ergänzt.
            
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