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Scherer
nach ihres Mannes Tode all ihr Hah und Gut, wandert nach Palästina
und kommt in den Ruf, als wirke sie Zeichen und Wunder) und der
nicht minder starken reichstreuen Gesinnung, welche mit dem Kirchentume
und insbesondere dem Episcopat so unauflöslich innig
Zusammenhang. Gerade unter Heinrich I., in dessen Regierungszeit
die Gründung Ebersbergs fällt, treffen wir Ulrich als einen der
wenigen oft und also gewiss gern gesehenen Bischöfe, und wie es
scheint, mit einer bestimmten, wenngleich nicht näher erkennbaren
Function betraut.
Wer möchte nun den weiteren Ebersberger Überlieferungen
ihren historischen Gehalt ansehen? Nicht blos um Graf Ulrichs
Jugend, um seine ganze Gestalt hat sich Duft der Sage gebreitet,
welche doch die Grundzüge seines Wesens gewiss treu auffasste
und behielt. Alles was von ihm erzählt wird, trägt die eigentümliche
Rundung und Abgeschlossenheit an sich, worin die Sage ihre umbildende
Kraft bewährt. Es ist das entscheidende Merkmal der
Anekdote, dass sie nur zur Charakteristik der Hauptperson dienen
will, das Detail jedoch mehr oder weniger frei behandelt. Der wahre
Kern, die wirkliche Veranlassung geben sich in diesen kleinsten Erzeugnissen
der historischen Phantasie am schwersten zu erkennen.
So, wenn Graf Ulrich alle seine Besitztümer soll an die Armen haben
wegschenken wollen und nur durch den Zuspruch eines im Rufe der
Heiligkeit stehenden Laien, Namens Adelger, davon abgehalten worden
wäre. So wenn der Eremit Günther ihm seinen Tod und die
Zersplitterung seiner Güter prophezeit. Sollte hier nicht der Wunsch
mitgewirkt haben, den ehrwürdigen Mann mit anderen Localberühmtheiten
der Gegend in irgend eine Verbindung zu bringen? Die todankündigende
Erscheinung, die seiner Frau zu Teil wurde, mag
man immerhin lügnerischem Vorgeben des Geistlichen und der beiden
Mägde zuschreiben, denen allein sie dieselbe ofFenbart haben soll.
Der meiste geschichtliche Gehalt ist wohl den Reden beizumessen,
die dem Grafen in den Mund gelegt werden. „Dem Könige treu sein,
aber ihn niemals ins eigene Haus herbeirufen“ (regi numquam rebelletis
vel domum alla oecasione vocetis, quia tune opes vestrae disperdentur
[1. dispergentur?]) muss eine Familienmaxime gewesen
sein, deren erster Teil sich in der Rebellion Heinrichs des Zänkers,
deren zweiter Teil sich später bei dem Tode der Gräfin Richlint
und des Abtes Altmann — nach den Localsagen von Ebersberg —