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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 53. Band, (Jahrgang 1866)

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Scherer

beruhen  wird,  dass  damit  die  Entfernung  der  sagenberühmten  Linde
und  des  Felsblocks  verbunden  war,  so  dürfen  wir  ihre  Abfassung
nicht  allzuweit  von  970  weg  und  gewiss  nicht  ins  11.  Jahrhundert
herunter  rücken.  Auch  wird  sie  bereits  in  dem  ältesten  Teile  des
Codex  traditionum,  worüber  unten  Näheres,  benutzt.  Man  vergleiche
was  in  der  Fundatio  (nachdem  Hunfrid  die  Deutung  des  Weihrauchs,
Weines  und  Öles  gegeben  hat)  Eberhard  sagt:  Ut  ergo  deus  meorum
ohlitus  peecatorum  caelestem  dignetur  mihi  gratiam  praebere,  rectam
fidem,  cordis  compunctionem  cum  bonis  operibus  eum  in  me  nunc
deprecor  augere;  et  si  dignabitur  mihi  vitam  proiongare  quousque  ei
templum  aedificem,  visibiliter  thus  vinum  et  oleum  ad  servitium  eius
dabo  —  mit  Trad.  17:  Eberhardus  ab  exordio  construendi  monasterii
dare  promisit  in  ministerium  dei  donaria  thuris  vini  ac  olei  quibus
augmentum  fidei  compunctionisque  cordis  et  operum  bonorum  quae
praenominatae  res  designant  spiritualiter  promereretur.
Über  die  wahren  Motive  der  Stiftung  erfahren  wir  aus  der  ganzen ­
  Fundatio  gar  nichts.  Und  doch  wäre  nähere  Aufklärung  darüber
dringend  zu  wünschen.  Die  allgemeinen  Motive,  welche  einzelne
Familien  zur  Gründung  von  Stiftern  und  Klöstern  als  Schatzhäusern
des  Seelenheils  gleichsam  getrieben  haben  (vergl.  Wattenbach  Geschichtsquellen ­
  S.  374),  erweisen  sich  im  zehnten  Jahrhundert  sonst
noch  nirgends  als  wirksam:  die  Ebersberger  eilen,  nach  Hirsclis
feiner  Bemerkung  (Heinrich  II.  Bd.  1  ,  S.  104),  mit  ihrer  Stiftung
der  Zeit  voran.  Vielleicht  gewinnen  wir  wenigstens  eine  Andeutung
des  wirklichen  Sachverhaltes  aus  einer  Erzählung  von  ganz  anderem
Charakter,  die  freilich  an  sich  auch  nichts  weniger  als  beglaubigte
Geschichte  überliefert.
Wohl  nicht  mit  Unrecht  erscheint  Graf  Eberhard  als  der  eigentliche ­
  Gründer.  Die  erste  reichliche  Dotierung  rührt  von  ihm  her  (Cod.
trad.  16).  Aber  sein  Bruder  Adalbero  scheint  durchaus  mit  der
Stiftung  einverstanden  gew’esen  zu  sein,  und  wenn  er  selbst  nach  des
Bruders  Tode  sich  nicht  so  freigebig  erwies,  wie  dieser  (seine  zahlreichere ­
  Familie  mag  ihn  davon  abgehalten  haben),  so  war  er  doch
keineswegs  karg.  Und  der  Vorredner  des  Codex  traditionum  durfte
gewiss  der  Wahrheit  gemäss  beide  Brüder  als  Stifter  bezeichnen
(Trad.  13).
Ganz  anders  jedoch  dachte  die  Sage  hierüber,  indem  sie,  wie
bei  Roms  Gründung,  zwei  Brüder  von  entgegengesetzter  Gesinnung
            
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