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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 53. Band, (Jahrgang 1866)

Leben  Willirams,  Abtes  von  Ebersberg  in  Baiern.

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In  unserem  Falle  ist  Graf  Eberhard  der  Träumende,  Propst
Hunfrid  der  Deuter  des  Traumes.  Der  einfache  Grundgedanke,  welcher ­
  durchgeführt  wird,  feiert  Christus  als  den  Schützer  und  Schirmherrn. ­
  Er  wird  unter  dem  Bilde  des  Hahnes,  des  Bettlers  und  des
Hirten  symbolisiert.  Man  gewahrt  die  Einwirkung  des  älteren  Liedes
von  dem  Burghau  in  der  Gestalt,  die  es  95S  erhielt,  wenn  es  sich
auch  hier  um  Schutz  vor  den  „Hünen“  handelt 1 )  und,  damit  gleichfalls ­
  die  Traumesdeutung  sich  bewähre,  die  Hünen  vor  Ebersberg
zurückweichen  und  daran  anknüpfend  Eberhard  die  ganze  Erzählung
schliesst  mit  den  Worten:  nun  erkenne  er  die  Wachsamkeit  des
Wächters,  den  er  sich  durch  die  Gründung  der  Kirche  erworben.
Acht  vorhergehende  Jahre  hindurch,  wird  erzählt,  hätten  die
Hünen,  will  sagen  die  Magyaren,  „Noricum“  verwüstet.  Woher  diese
Zeitbestimmung?  In  das  Jahr  934  fällt  die  Gründung  und  erste
Dotierung  der  Collegiatkirche.  934  weniger  8  gibt  926.  Dass  in
diesem  Jahre  (und  nicht  92S),  in  der  Tat  ein  Magyareneinfall  statt
hatte,  bei  welchem  unter  anderem  Sangallen  zerstört  wurde,  darüber
s.  Waitz,  Heinrich  I.  neue  Bearbeitung,  S.  88,  n.  2.  Aber  nur  die
Reichenauer  Annalen  geben  das  richtige  Jahr  und  zugleich  die  Nachricht ­
  in  hinlänglicher  Allgemeinheit,  dass  ein  baierischer  Autor  sein
specielles  Vaterland  mit  eingeschlossen  annehmen  konnte,  das
freilich  auch  hier  nicht  ausdrücklich  genannt  war 2 ).  Dem  Verfasser
der  alten  Fundatio  werden  mithin  wohl  diese  Reichenauer  Jahrbücher
Vorgelegen  haben,  und  indem  er  vergeblich  nach  einer  magyarischen
Invasion  suchte,  welche  dem  Zeitpunete  der  Kirchengründung  näher
gewesen  wäre,  entschloss  er  sich  kurz,  jenen  Einfall  auf  die  ganze
Zwischenzeit  auszudehnen.
Da  die  Einweihung  der  Ebersberger  Kirche  erst  970  stattfand,
so  wird  mit  der  Einrichtung  eines  Collegiatstiftes  ein  neuer  Kirchenbau ­
  wohl  nicht  sofort  verbunden  gewesen,  sondern  vorerst  die  vermutlich ­
  vorhandene  alte  Burgcapelle  den  Clerikern  zu  ihrem  Gebrauche ­
  überlassen  worden  sein.  Der  neue  Kirehbau  wird  aber  in
unserer  Fundatio  vorausgesetzt  und  da  es  doch  wohl  auf  Wahrheit

*)  Doch  könnte  wjedcr  die  Etymologie  mitgespielt  und  den  Namen  Hunfrid  zuin  Ausgangspuncte
  genommen  haben.
2 )  926.  Ungari  tolain  Franeiam  Alsatiam  Galliam  atque  Alemanniam  igne  et  gladio
vastaverunt.  Pertz  SS.  1,  68.
            
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