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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 53. Band, (Jahrgang 1866)

Lehen  Willirams,  Abtes  von  Ehersherg -  in  ßaiern.

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Brunners  zweiter  Teil  erschien  1629,  also  viele  Jahre  vor  dem  Buche
des  Jesuiten  Widel,  worin  nach  Ocfeles  Angabe  allerdings  die  Eherjagd ­
  gleichfalls  sich  besonderer  Auszeichnung  zu  erfreuen  hatte.
Der  Chronist  hat  ausserdem  eine  unbedeutende  alberne  Fabelei
in  den  Kreis  der  Ebersberger  Gründungssage  mit  einbezogen,  welche
ursprünglich  gewiss  nichts  damit  zu  tun  hatte.  Er  schliesst  sie
unmittelbar  an  die  Prophezeiung  Konrads:  Ipso  tempore  aliqui  de
Argentina  urbe  venientes  similem  a  Gebehardo  ibidem  incluso  prophetiam
  acceptam  de  provehendo.  loco  retulerunt.  In  signum  haec  credendi
  praedixit  in  nemore  singuläres  deficere,  quod  sub  Uodalrico
nepote  suo  contigit  per  nivem  maximam.  Bei  dem  grossen  Schnee  zu
Ulrichs  Zeit  werden  auch  noch  andere  Tiere  zu  Grunde  gegangen
sein,  hei  welchen  ein  ähnlicher  Rückschluss  nicht  gemacht  wurde.
Das  Stift  bewahrte  die  Reliquien  dieses  Gebhard,  wie  wir  aus  der  handschriftlichen ­
  Historia  Eberspergensis  erfahren.  Wie  die  Bedeutung
jenes  Konrad  für  den  Burgbau  den  —  leicht  erfüllbaren  und  in  der
Tat  laut  der  Historia  erfüllten  —  Wunsch  nahe  legte,  seine  Geheine
zu  besitzen,  so  wird  hier  umgekehrt  der  Besitz  der  Reliquien  zu  der
Verflechtung  mit  der  Localgeschichte  geführt  haben.
Noch  hei  einer  anderen  Sagenbildung  wirkten  die  Reliquien  des
Klosters  mit,  hei  der  von  der  Einweihung  der  Ebersberger  Kirche.
Der  Umstand,  dass  nicht  der  Freisinger  Bischof,  sondern  der  Salzburger ­
  Erzbischof  dieselbe  vorgenommen,  dessen  wahre  Gründe  man
vergessen  hatte  (vergl.  Cod.  trad.  19),  riefeinen  Erklärungsversuch
hervor,  zu  welchem  die  Treue  Graf  Ulrichs  (unter  welchem  die
Einweihung  geschah)  gegen  den  Kaiser  in  der  Rebellion  Herzog
Heinrichs  des  Zänkers  und  Bischof  Abrahams  von  Freising  (974)
das  Material,  eine  Traumerscheinung  des  im  Reliquienvorrat  gleichfalls ­
  vertretenen  h.  Maternus  die  entscheidende  Form  hergab.
Wer  will  es  wagen,  die  psychologischen  Vorgänge  in  den  ersten
Erzählern  solcher  Geschichten  aufzudecken?  Wer  bestimmen,  wie
sich  Lüge  mit  Irrtum,  Irrtum  mit  den  selbständigen  Gebilden  der
Phantasie  dabei  vermischte?  Eine  zusammenhängende  Untersuchung
der  christlichen  Sage  des  Mittelalters,  die  man  meist  nur  auf  Wahrheit ­
  und  Unwahrheit,  sogar  auf  Möglichkeit  und  Unmöglichkeit  hin
anzusehen  pflegt,  würde  hier  gewiss  bei  dem  massenhaft  vorliegenden
Material  zu  festeren  Scheidungen  und  Begrenzungen  gelangen.  Sie
würde  die  verschiedenen  Auffassungsformen  analysieren,  welche  in
            
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