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Leben Willirams, Abtes von Ebersberg in Baiern. 211
die er so unpassend bereichert; die Linde mit dem Felsblock, wohl
die ganze Ebergeschichte, hatte nicht den rechten geistlichen Anstrich
und war der Sage zufolge schon dem Propst Hunfrid ein Dorn
im Auge, weil das Volk den Fels und die Linde wie heilig verehrte
(Oefele p. 12 b ). Dürfen wir uns weiter umsehen?
In demselben zehnten Jahrhundert, in der Nachbarschaft desselben
Bodensees sang man ein Lied, worin gleichfalls ein Eber nicht
zu Falle gebracht werden konnte, und auch von diesem Eber wurde
im Liede eine Botschaft weitergetragen, und gleichfalls eine sehr
wunderbare und höchst auffallende. Aber da liegt zu Tage, worin
das Wunder bestand: die ungewöhnliche Grösse, auch dort hervorgehoben,
übertrifft alles in der Natur mögliche, und ausserdem hat
selbst ein glücklicher Speerwurf das Untier nicht tödten können :
„Der eher gät in litun, tregit sper in situn:
sin bald ellin ne läzet in vellin.
Imo sint fuoze fuodermäze,
imo sint purste ebenhö forste
unde zene sine zwelifelnige“ ‘).
Bei dem Zusammentreffen so vieler Umstände scheint es mir
unmöglich, die Folgerung abzuweisen: es liege uns in der Sangaller
Aufzeichnung ein Bruchstück des Liedes von der Gründung der Burg
Ebersberg vor. Und den übriggebliebenen Fragmenten dieses Liedes
dürfte nach der Andeutung des lateinischen „inter arenaceum lapidem
et tiliam“, der Reim „sande.-linde“ hinzuzufügen sein : sowie der
Nennung des phaffen Chuonrät von „Hewa“ wohl die Reimzeile „bi
demo Bodemsewe“ folgte oder vorausgieng.
Ebersberg war erbaut, ehe die Einfälle der Ungarn begonnen
hatten, schon am 21. August 893 stellte König Arnulf dort (ad Eberesbwrc:
Mon. Bo. 31, 1, 146) eine Urkunde aus. Aber oft mag es
nachher, als die wilden Horden sich fast alljährlich über Baiern ergossen,
seine Festigkeit bewährt haben. Mancher Ausfall, manche
Überrumpelung glückte wohl von Ebersberg aus. Einem Dichter
stellte sich das stets drohende Ungewitter magyarischer Beutezüge,
die, kaum abgeschlagen, gleichsam über Nacht wiederkehrten, unter
1) Zuletzt herausgegeben von MiillenhoiT Denkmäler Nr. XXVI. Er hat zuerst bemerkt,
dass das Bruchstück Worte eines Boten enthalte, und den volksmässigen Ursprung
desselben verteidigt. S. 320.
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