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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 53. Band, (Jahrgang 1866)

210  Scherer
bezeugen,  zwei:  einen  Pulszi  und  —  einen  Leie.  Hier  haben  wir
nun  denselben  Leli  und  den  dritten:  Sur.  Wäre  die  Kenntniss  der
Namen  denkbar  nach  Verlauf  einer  längeren  Zeit?  Wir  dürfen  es  mit
dem  Liede  sogar  noch  genauer  nehmen:  milites  Eberhardi  brachten
die  Gefangenen  nach  Ebersberg.  Nun  hatten  zwei  Treffen  mit  den  Ungarn ­
  stattgefunden:  das  eine  lieferte  Otto  selbst  mit  drei  Heeresabteilungen ­
  der  Baiern,  in  dem  andern  waren  die  Böhmen  dem
ersten  Angriff  erlegen  und  hatte  Herzog  Konrad  von  Franken  die
günstige  Entscheidung  herbeigeführt.  Bei  den  Böhmen  wurde  nach
den  ann.  Sangall.  maj.  Leli  gefangen,  wahrscheinlich  ebendort  Sur:
natürlich  befand  sich  Eberhard  bei  der  baierischen  Armee,  und  die
Böhmen  oder  Franken  werden  den  Transport  ihrer  Gefangenen  selbst
besorgt  haben.  Ob  sie  wirklich  von  Augsburg  aus  den  Umweg  über
Ebersberg  nahmen,  um  nach  Regensburg  zu  gelangen  ?  Es  wäre  kein
vernünftiger  Grund  dafür  abzusehen;  denn  von  Verfolgung  weiss  das
Lied  nichts  und  auch  diese  wäre  schwerlich  über  Ebersberg  gegangen.
Vielmehr:  der  Krieg  ist  aus,  die  Truppen  zerstreuen  sich  nach  ihrer
Heimat,  ausser  wer  in  der  Nähe  des  Königs  blieb,  auch  die  Ebersberger ­
  kehren  zurück  und  machen  sich  das  Vergnügen,  an  ihren  Gefangenen ­
  angesichts  der  Burg  eine  Execution  in  aller  Form  zu  vollziehen.
Wir  erkennen  nun  auch  die  Zutat  und  Erfindung  des  Dichters:
Er  führte  die  Ungarfürsten  über  Ebersberg,  damitWillibirg  Gelegenheit ­
  zu  einem  Witz  bekomme.  Um  so  verbürgter  dann  die  Erschiessung
  der  Übrigen,  die  er  für  seinen  Zweck  gar  nicht  brauchte.  Dabei
kann  aber  der  Zweifel  nicht  unterdrückt  werden,  ob  im  Liede  Eberhards ­
  Name  überhaupt  erwähnt,  und  insbesondere  ob  Willibirg  als
seine  Schwester  bezeichnet  war:  der  Chronist  mag  diese  genaueren
Bestimmungen  hinzugefügt  haben.
Doch  kommen  wir  endlich  auf  das  etymologische  Gründungslied
selbst.
Die  begonnenen  Einfälle  der  Ungarn  setzt  es  jedenfalls  voraus.
Also  wird  nach  dem  Berichte  im  zehnten  Jahrhundert  eine  Kunde  zu
dem  Cleriker  Konrad  an  den  Bodensee  getragen  von  einem  Eber  ungewöhnlicher ­
  Grösse,  der  Tage  lang  nicht  gefangen  werden  kann  und
endlich  entkommt.  Man  erzählt  das  als  etwas  höchst  auffallendes  und
staunenswürdiges  (so  mag  etwa  der  Sinn  von  fantasticus  getroffen
werden),  als  ein  Wunder.  Wo  steckt  hier  das  Wunder?  Unser  Chronist ­
  erzählt  etwas  mager,  sein  Interesse  ruht  auf  der  Prophezeiung,

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