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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 53. Band, (Jahrgang 1866)

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Scherer

hielt.  Und  überdies  würden  seine  Bestimmungen  auf  das  Gründungsjahr ­
  945  führen.
Wir  müssen  die  Zahlen  der  ersten  Chronik  einer  kurzen  Prüfung ­
  unterwerfen.  972  stirbt  Hunfrid,  990  tritt  Reginbold  die  Verwaltung ­
  an.  Wie  sollen  in  den  18  Jahren  zwischen  diesen  beiden
Daten  die  16  des  Meginbold,  die  11  des  Günther  noch  Platz  linden?
Ferner:  Reginbold  wird  nach  11  Jahren  durch  König  HeinrichII.  zur
Abtwürde  in  Lorsch  berufen.  Was  batte  aber  im  Jahre  1001  ,  ein
Jahr  vor  seinem  Regierungsantritte,  Heinrich  für  ein  Verfügungsrecht
über  Lorsch?  Endlich:  Altmann,  Reginhold's  Nachfolger,  soll  1001
im  Alter  von  20  stehen,  also  981  geboren  sein.  Mithin  müsste  sein
Grossvater  Graf  Ulrich,  als  er  1029  starb,  doch  mindestens  nahe  an
die  Neunzig  gereicht  haben.  Und  doch  prophezeit  ihm  der  Eremit
Günther,  dessen  Tod  auf  1045  fällt,  er  —  Ulrich  —  werde  noch  vor
ihm  sterben:  welche  Erzählung  doch  nur  dann  Sinn  hat,  wenn  Ulrich
beträchtlich  jünger  gedacht  wurde,  so  dass  nach  gewöhnlichem
menschlichen  Ermessen  sein  früheres  Ableben  nicht  zu  erwarten  stand.
Demnach  liegt  Verwirrung  der  Ziffern  unstreitig  vor.  Und  alles
vereinigt  sich  dahin,  das  Datum  990  für  falsch  zu  halten.  Auch  sind
wir  um  einen  neuen  Ausgangspunct  für  die  Rechnung  nicht  verlegen.
Es  kommt  darauf  an,  zu  wissen,  wann  Reginbold  Abt  von  Lorsch
wurde.
Das  Chronicon  Laurishamense  bei  Freher  (Struve)  I,  122  bezeichnet ­
  das  Jahr  1000  bestimmt  als  das  des  Amtsantrittes  Abt  Gerolds ­
  von  Lorsch,  und  3  '/ a  Jahr  wird  seiner  Verwaltung  zugemessen.
Hierauf  regiert  sein  Nachfolger  Bobbo  13  Jahre  und  nach  dessen
Tode  succediert  Reginbold:  das  wäre  also  1016.  Aber  Bobbo,  der
zugleich  Fulda  verwaltete,  starb  den  Ann.  necrol.  Fuld.  maj.  (Böhmer
Fontes  3,  139)  zufolge  am  7.  April  1018.  War  die  letztere  Angabe
dem  Ebersberger  Chronisten  bekannt,  so  fiel  für  ihn  die  Einführung
der  Benedietiner  auf  1007;  richtete  er  sich  nach  der  ersteren,  so
muss  er  Reginbolds  Amtsantritt  in  das  Jahr  1003  gesetzt  haben.
Dass  er  das  letztere  tat,  darf  mit  Sicherheit  behauptet  werden,
ebenso  dass  das  Jabr  1003  in  dem  Texte  seines  Werkes  zu  einer
Zeit  noch  gelesen  wurde,  als  andererseits  die  Weisheit  jenes  Abtkalaloges
  bereits  erklügelt  war.  Denn  die  hervorgeliobenen  Ansätze
der  zweiten  Chronik,  zu  ihrem  Gründungsdatum  addiert,  ergeben
(928  +  77  =)  1003.
            
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