Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 53. Band, (Jahrgang 1866)

200

Schere  r

Manch«»  verwunderliche  Angaben  begegnen  uns  darin.  Wo  wir
des  Verfassers  eigene  Quellen  besitzen,  wie  bei  der  Darstellung  des
wachsenden  Besitzes  von  Ebersberg,  erkennen  wir  in  ihm  einen  kühn
und  rasch  combinierenden  Manu,  der  aber  keineswegs  ebenso  umsichtig. ­
  bedacht  und  kenntnissreich  wie  kühn  war.  Ohne  jede  leiseste
Bemerkung  des  Zweifels  teilt  er  unter  Williram  das  Privileg  mit.
welches  Heinrich  VI.  im  dritten  Jahre  seines  Kaisertums  dem  Kloster
verlieh  und  das  hei  Hund,  und  zwar  ebenfalls  mit  dem  unrichtig
überlieferten  Datum  1073,  das  den  Historiographen  irreleitete,  gedruckt ­
  steht.
Und  was  weiss  er  von  der  ältesten  Geschichte  Ebersbergs  nicht
alles  zu  erzählen!  Wir  haben  eine  kürzere  Chronik  aus  dem  Ilten
Jahrhundert,  eine  längere  aus  dem  13ten:  wie  müssten  in  den  Jahrhunderten, ­
  welche  seitdem  verflossen  waren,  die  Kenntnisse  gewachsen ­
  sein!  Die  zuverlässige  Angabe  des  Traditionscodex  setzt  die
Gründung  des  Klosters  in  das  Jahr  934:  unser  Anonymus  läugnet  das
nicht,  besitzt  jedoch  Kunde  von  einer  früheren  eigentlicheren  Gründung ­
  schon  Anno  911.  Der  Tod  des  ersten  Pröpsten  fällt  auch  ihm
ins  Jahr  972,  wenn  wir  ihm  den  sicher  unwillkürlichen  Fehler  973
corrigieren:  aber  er  kann  hinzufügen,  dass  derselbe  bereits  940
seiner  Würde  entsagte.  Abt  Altmann  regiert  bei  ihm  wie  bei  den
Alten  von  1001  bis  1043,  aber  nur  21  Jahre  selbständig,  die  23
ersten  mit  einem  Administrator  an  der  Seite,  Und  mit  ähnlichen  Erweiterungen ­
  und  Bereicherungen  könnte  ich  Bogen  Killen.
Wie  kommt  der  Jesuit  zu  seiner  Weisheit?
Die  Zahlen  der  Regierungsjahre  für  die  ersten  sechs  Pröpste
und  Äbte  sind  folgende:  Hunfrid  29,  Dietker  21,  Meginbold  18,
Günther  11,  Reginbold  11,  Altmann  23  und  21.  Sieht  man  einen
Augenblick  von  dem  fünften  und  sechsten  Posten  ab  und  fasst  den
dritten  und  vierten  in  eins  zusammen,  so  ist  18  -(-  11  =29  und
man  erhält  eine  Reihe  von  merkwürdiger  Regelmässigkeit:  29  -j-  21
-f-  29  -f-  21  =  30  -j-  30  =  100.  Ich  nehme  nun  als  höchst  wahrscheinlich ­
  an,  dass  zu  irgend  einer  Zeit  irgend  jemand,  dem  die.  alten
echten  Nachrichten  im  wesentlichen  unbekannt  waren,  die  Abtreibe
bis  auf  Altmann  sich  construierte  wie  folgt:  Hunfrid  29.  Dietker  21,
Meginbold  18,  Günther  11,  Altmann  21.  Bei  oberflächlicher  Kenntniss
waren  ihm  vielleicht  Meginbold  und  der  ähnlich  klingende  Reginbold
in  eins  verflossen,  oder  es  lag  ihm  das  Ebersberger  Nekrolog  vor,
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.