Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 53. Band, (Jahrgang 1866)

190

K  v  i  c  a  1  a

eine  Vermehrung  desselben  betrachte  *);  er  will  vielmehr  sagen:  „Du
hast  daran,  dass  du  mich  in  deine  Hand  bekommen  hast  und  opfern
wirst,  noch  nicht  genug  und  willst  noch  die  Zugabe  haben,  dass  du
deine  Neugier  befriedigen  könntest“.  Es  lässt  sich  somit  dieser  Ausspruch ­
  mit  V.  492  (siehe  oben  die  Erkl.  desselben)  vergleichen.
Hermann’s  Auffassung  (consentit  potius  Orestes,  non  tanti  illud  esse
dicens,  ut  in  multo  maioribus  suis  malis  detrectandum  videatur)  ist
nicht  zulässig.  Nach  dem  Wortlaute  von  Hermann’s  Bemerkung
würde  Orestes  das  Antworten  wenn  auch  als  ein  geringeres  „malum“,
so  doch  als  ein  „malum“  bezeichnen.  Ist  dies  zulässig?  Kann  wirklich
sein  Unglück  für  ihn  ein  Grund  sein,  sich  dem  Wunsche  der  Iphigeneia
  zu  fügen?  Das  Unglück  machte  ihn  doch  ohne  Zweifel  unfreundlieh ­
  und  bitter  und  zum  Antworten  weniger  aufgelegt.  Und
warum  hat  er  denn,  wenn  Hermann’s  Erklärung  richtig  ist,  nicht
schon  früher  wenigstens  auf  die  V.  493  ausgesprochene  Frage  (von
487  müssen  wir  freilich  absehen)  gleich  mit  derselben  Resignation,
die  Hermann  im  V.  502  findet,  geantwortet,  ohne  sich  nochmals
bitten  zu  lassen?  Diese  Fragen  und  Bedenken  drängen  sich  gegen
Hermann’s  Erklärung  auf.  Dies  scheint  auch  Schöne  gefühlt  zu
haben,  und  darum  fügt  er  zu  der  Erklärung,  die  er  nach  Hermann
gibt,  hinzu:  „Doch  deutet  er  zugleich  an,  dass  er  sich  einmal  in  dem
Falle  befinde,  für  Alles  Resignation  zu  üben“.  Aber  zu  dieser  Annahme ­
  ist  man  ja  durch  nichts  berechtigt.  Auch  ist  nicht  zu  übersehen, ­
  dass  Hermann’s  Erklärung,  wie  dieser  Kritiker  selbst  gefühlt
hat,  die  Conjectur  &g  £v  xapipyut  erfordert  oder  wenigstens  als
sehr  wünschenswerth  erscheinen  lässt.
Diese  V.  502  enthaltene  Äusserung  des  Orestes  ist  nun  zwar
gerade  keine  Abweisung  2),  aber  auch  durchaus  keine  ausdrückliche
Zustimmung,  lphigeneia  will  nun  den  Orestes  darüber  aufklären,  dass
jene  bittere  Zumuthung  unberechtigt  war;  seinem  Hohne  setzt  sie
als  Motiv  ihrer  Frage  die  Äusserung  xai  p.vjv  n'jSrv.'jog  7’  r,\Ssc

')  Ich  nehme  jetzt  die  Worte:  „Aber  nachdem  Orestes  —  erhalten“  (Beitr.
S.  42)  zurück.
2 )  Beitr.  S.  43  habe  ich  gesagt:  „Werden  die  Worte  iv  zapip^pi  xrX.  als
Ironie  genommen,  so  sind  sie  zugleich  auch  als  abschlägige  Antwort  zu
betrachten“.  Diese  zu  starke  und  nicht  ganz  sachgemässe  Äusserung  bedarf
der  oben  gegebenen  Modiflcation.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.