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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 53. Band, (Jahrgang 1866)

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R  o  e  s  1  e  r

Verwandschaft  der  Dacier  behaupten?  welche  Gründe  liegen  dann
vor,  die  einen  Zusammenhang  der  Dacier  mit  der  durch  die  römische
Colonisation  entstandenen  Bevölkerung  des  neuen  oder  römischen
Daciens  anzunehmen  nöthigen?  und  drittens,  hat  das  walachische
Volk  den  Boden  der  jetzigen  Heimat  seit  jenen  Tagen  Trajans  zu
aller  Zeit  bis  zur  Gegenwart  innegehabt?
Die  folgende  Abhandlung  setzt  sich  zum  Zwecke,  diese  Fragen
zu  erörtern  und  Antworten  zu  finden,  die  wenn  sie  nicht  völlig  befriedigen ­
  sollten,  doch  als  Beiträge  zur  endlichen  Lösung  dienen
werden.

II.
Längst  ist  die  Sprachwissenschaft  ein  mächtiges  Werkzeug
geworden  zur  Feststellung  ethnographischer  Zusammenhänge,  zur
Aufhellung  verdunkelter  Culturphasen.  Was  die  vergleichende
Sprachforschung  in  dieser  Hinsicht  der  alten  Geschichte  für  Dienste
geleistet  hat,  möchte  Niemand  so  leicht  völlig  aussprechen  können.
Jedes  Wort  wird  zu  einem  mächtigen  Teleskope,  welches  die  dunklen ­
  Nachträume  von  Jahrhunderten  vor  aller  Literatur  durchdringt.
Aber  auch  diese  geniale  combinatorische  Sprachforschung  wird
machtlos,  wo  ihr  das  Object  der  Untersuchung  gebricht,  wo  weder
Sprachdenkmale  noch  Grammatik  erhalten  blieben.  Es  gibt  Völker,
deren  Sprachen  im  eigentlichen  Sinne  todte  sind,  Sprachen  welche
für  immer  starben  mit  dem  Letzten,  der  sie  redete.  Da  ruft  die
Wissenschaft  vergeblich  ihr  öö?  p.01  xoD  artö;  sie  kann  ihre  Untersuchung ­
  nicht  beginnen,  da  es  an  dem  Substrate  fehlt,  das  in  allem
Wechsel  der  Ansichten  unverrückbar  sich  erhält.  Das  Messer  des
Anatomen  ist  nutzlos,  die  Leiche  ist  verwest.  Da  sind  es  einzig  die
Aussprüche  alter,  oft  unzureichend  unterrichteter,  vor  Allem  aber
unbefraglicher  Autoren,  die  unsere  Führer  werden  können,  denen
wir  vertrauen  müssen,  so  lange  uns  gewichtige  Gründe  —  etwa  innere ­
  latente  Widersprüche  —  nicht  bestimmen,  völliges  in  die  Irre
gehen  verdächtiger  Wegweisung,  gewisse  Ungewissheit  ungewisser ­
  Gewissheit  vorzuziehen.
Dieser  letztere  Fall  liegt  uns  bei  den  alten  Sprachen  der  Hämushalbinsel
  vor.  Hier  ist  ein  mannigfaltiges  Völkerleben  dennoch
            
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