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R o e s 1 e r
Verwandschaft der Dacier behaupten? welche Gründe liegen dann
vor, die einen Zusammenhang der Dacier mit der durch die römische
Colonisation entstandenen Bevölkerung des neuen oder römischen
Daciens anzunehmen nöthigen? und drittens, hat das walachische
Volk den Boden der jetzigen Heimat seit jenen Tagen Trajans zu
aller Zeit bis zur Gegenwart innegehabt?
Die folgende Abhandlung setzt sich zum Zwecke, diese Fragen
zu erörtern und Antworten zu finden, die wenn sie nicht völlig befriedigen
sollten, doch als Beiträge zur endlichen Lösung dienen
werden.
II.
Längst ist die Sprachwissenschaft ein mächtiges Werkzeug
geworden zur Feststellung ethnographischer Zusammenhänge, zur
Aufhellung verdunkelter Culturphasen. Was die vergleichende
Sprachforschung in dieser Hinsicht der alten Geschichte für Dienste
geleistet hat, möchte Niemand so leicht völlig aussprechen können.
Jedes Wort wird zu einem mächtigen Teleskope, welches die dunklen
Nachträume von Jahrhunderten vor aller Literatur durchdringt.
Aber auch diese geniale combinatorische Sprachforschung wird
machtlos, wo ihr das Object der Untersuchung gebricht, wo weder
Sprachdenkmale noch Grammatik erhalten blieben. Es gibt Völker,
deren Sprachen im eigentlichen Sinne todte sind, Sprachen welche
für immer starben mit dem Letzten, der sie redete. Da ruft die
Wissenschaft vergeblich ihr öö? p.01 xoD artö; sie kann ihre Untersuchung
nicht beginnen, da es an dem Substrate fehlt, das in allem
Wechsel der Ansichten unverrückbar sich erhält. Das Messer des
Anatomen ist nutzlos, die Leiche ist verwest. Da sind es einzig die
Aussprüche alter, oft unzureichend unterrichteter, vor Allem aber
unbefraglicher Autoren, die unsere Führer werden können, denen
wir vertrauen müssen, so lange uns gewichtige Gründe — etwa innere
latente Widersprüche — nicht bestimmen, völliges in die Irre
gehen verdächtiger Wegweisung, gewisse Ungewissheit ungewisser
Gewissheit vorzuziehen.
Dieser letztere Fall liegt uns bei den alten Sprachen der Hämushalbinsel
vor. Hier ist ein mannigfaltiges Völkerleben dennoch