Euripideische Studien.
183
wie «vt«v, hat. Ich entscheide mich für das erstere aus folgenden
Gründen:
a) Hat hier i~i. wirklich die Bedeutung „super“ — und dies ist
unzweifelhaft, wie auch Seidler, Klotz, Küchly anerkennen — so ist
Hermann’s Erklärung gewiss zweckmässig. Eine lästige Expectoration
der Iphigeneia wäre ja doch gerade kein zaxöv, das zu den unvermeidlichen
grossen xay.oXg des Orestes und Pylades hinzukäme, es
müsste denn sein, dass Orestes in hyperholisch sarkastischer Weise
das Bedauern der Iphigineia neben dem furchtbaren bevorstehenden
Unglück als ein noch immerhin nennenswerthes xaxov hätte bezeichnen
wollen. Dieser Hohn wäre hier unnatürlich. Man darf sich nicht darauf
berufen, dass Orestes im folgenden mehrmals bitter und selbst
höhnisch erwidert. An unserer Stelle ist zu bedenken, dass Iphigeneia
den Orestes an Vater, Mutter und Schwester erinnert hat. Mit
Rücksicht darauf konnte Orestes das wohlgemeinte Bedauern der
Iphigeneia nicht als ein lästiges Gerede bezeichnen. Was im Munde
des sophokleischen Aias und Kreon gegenüber der Tekmessa und
Ismene zwar hart, aber doch dem Charakter der Sprechenden angemessen
ist, wäre hier im Munde des Orestes unnatürlich und
widerwärtig. So oft Orestes an seine Familienverhältnisse erinnert
wird, wird er von schmerzlicher Rührung ergriffen, die ihm nicht
gestattet, auf diese Fragen höhnisch zu erwidern, während er es
sonst öfter thut; hei diesen Fragen bekundet er zwar öfter das
Streben, sich dem Aufreissen alter Wunden zu entziehen, aber er
thut dies in schmerzlicher, nicht in höhnischer Weise.
b) Magmanin den folgenden Versen welche Veränderung immer
vornehmen, das eine steht fest, dass Orestes den Gedanken ausspricht
„wir wollen nicht klagen und so das einfache Übel durch Hinzufügung
eines thörichten Benehmens zu einem doppelten machen“. Zu diesem
Ausspruche musste er eine Veranlassung haben; und diese liegt eben
in Ä'jtteic, wenn es richtig d. i. nach Hermann’s Vorgänge, aufgefasst
wird.
Was nun die folgenden Verse betrifft, schliesse ich mich, wie
Hermann, Schöne, Kirchhoff, an Seidler an, der zraveiv für 3aveiv
liest. Den Sinn dieser Verse und ihren Zusammenhang mit den zwei
ersten Versen hat treffend Schöne bezeichnet, von dem sein Nachfolger
auch hier zu seinem Nachtheile abweicht. Köchly meint
nämlich, dass Hartung „mit Recht V. 474 als aus einer parallelen