Euripideische Studien.
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diese Befriedigung wird durch den Context unserer Stelle beeinträchtigt.
Früher, so versicherte ja Iphigeneia in der nachdrücklichsten
Weise, war ihr Herz mitleidig gegen die Fremdlinge, also war sie
früher keinesfalls oöx su fpovovoa gegen sie, obzwar sie schon genug
duaruyng war. Erst seit den letzten Stunden hat ihre Gesinnung eine
Umwandlung erfahren; sie sagt, dass sie erst jetzt in Folge der im
V. 340 f. angegebenen Ursache das Erbarmen verlernt habe. Mit
dieser Aussage müssen wir uns doch wohl V. 343 ff. im Zusammenhänge
stehend denken; und wenn wir die Existenz eines Zusammenhanges
annehmen, so wäre avroi v.c/jAq npa^ayrtg hier sonderbar.
Es wäre nämlich nach dem Contexte das v.akfog xpät/M rücksichtlich
der Iphigeneia nicht auf die Zeit, als sie noch zu Hause weilte, sondern
auf die Zeit vor dem Augenblicke zu beziehen, in welchem sie
die Überzeugung von Orestes’ Tode schöpfte. Und konnte Iphigeneia
von dieser Zeit sich so ausdrücken? konnte sie sagen oder andeuten,
dass sie noch bis zum letzten Augenblicke enpa.^1
Doch angenommen, dass Euripides sich diese Unzukömmlichkeit
gestattet hat und dass er sie nicht so lebhaft fühlte, so musste er doch
eine andere Unzukömmlichkeit um so lebhafter fühlen. Konnte denn
Iphigeneia mit Bezug auf die Fremdlinge den Ausdruck roXaiv süruyjaripoig
gebrauchen, da diese dem Opfertode entgegen gierigen?
Sie waren doch in dem Augenblicke, in welchem Iphigeneia diese
Worte sprach, viel unglückseliger als sie '). Ich fürchte nicht, dass
man die sophistische Einwendung machen dürfte, Iphigeneia abstrahiere
von dem ihnen bevorstehenden Opfertode und bezeichne sie als
„sonst im Vergleiche mit ihr glücklichere“. Eine solche Abstraction
wäre eben ungereimt.
Der einzige Kritiker, der scharfsinnig erkannte, welchen Gedanken
Iphigeneia hier aussprechen müsse, ist Kirchhoff, dessen kurze
von Köchly als entschieden falsch bezeichnete Bemerkung „fort, avroi?
v.av.üc npä&oiv“ werthvoller ist als alle übrigen Erörterungen
und Änderungen dieser Stelle. Der Gedanke, den die Stelle nach
Kirchhoff’s Änderung darbietet, ist ein vollkommen entsprechender;
durch diese Änderung wird die sonst unpassende Bezeichnung der
Fremdlinge (toTgiv svrvysarspois) zu einer passenden, indem eben
') Dieser Grund gilt natürlich vollständig auch gegen die handschriftliche
Überlieferung, möge sie wie immer aufgefasst werden, sowie auch gegen
Hartung’s und Köchly’s Conjecturen.
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