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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 53. Band, (Jahrgang 1866)

Euripideische  Studien.

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diese  Befriedigung  wird  durch  den  Context  unserer  Stelle  beeinträchtigt. ­
  Früher,  so  versicherte  ja  Iphigeneia  in  der  nachdrücklichsten
Weise,  war  ihr  Herz  mitleidig  gegen  die  Fremdlinge,  also  war  sie
früher  keinesfalls  oöx  su  fpovovoa  gegen  sie,  obzwar  sie  schon  genug
duaruyng  war.  Erst  seit  den  letzten  Stunden  hat  ihre  Gesinnung  eine
Umwandlung  erfahren;  sie  sagt,  dass  sie  erst  jetzt  in  Folge  der  im
V.  340  f.  angegebenen  Ursache  das  Erbarmen  verlernt  habe.  Mit
dieser  Aussage  müssen  wir  uns  doch  wohl  V.  343  ff.  im  Zusammenhänge ­
  stehend  denken;  und  wenn  wir  die  Existenz  eines  Zusammenhanges ­
  annehmen,  so  wäre  avroi  v.c/jAq  npa^ayrtg  hier  sonderbar.
Es  wäre  nämlich  nach  dem  Contexte  das  v.akfog  xpät/M  rücksichtlich
der  Iphigeneia  nicht  auf  die  Zeit,  als  sie  noch  zu  Hause  weilte,  sondern ­
  auf  die  Zeit  vor  dem  Augenblicke  zu  beziehen,  in  welchem  sie
die  Überzeugung  von  Orestes’  Tode  schöpfte.  Und  konnte  Iphigeneia
von  dieser  Zeit  sich  so  ausdrücken?  konnte  sie  sagen  oder  andeuten,
dass  sie  noch  bis  zum  letzten  Augenblicke  enpa.^1
Doch  angenommen,  dass  Euripides  sich  diese  Unzukömmlichkeit
gestattet  hat  und  dass  er  sie  nicht  so  lebhaft  fühlte,  so  musste  er  doch
eine  andere  Unzukömmlichkeit  um  so  lebhafter  fühlen.  Konnte  denn
Iphigeneia  mit  Bezug  auf  die  Fremdlinge  den  Ausdruck  roXaiv  süruyjaripoig
  gebrauchen,  da  diese  dem  Opfertode  entgegen  gierigen?
Sie  waren  doch  in  dem  Augenblicke,  in  welchem  Iphigeneia  diese
Worte  sprach,  viel  unglückseliger  als  sie  ').  Ich  fürchte  nicht,  dass
man  die  sophistische  Einwendung  machen  dürfte,  Iphigeneia  abstrahiere ­
  von  dem  ihnen  bevorstehenden  Opfertode  und  bezeichne  sie  als
„sonst  im  Vergleiche  mit  ihr  glücklichere“.  Eine  solche  Abstraction
wäre  eben  ungereimt.
Der  einzige  Kritiker,  der  scharfsinnig  erkannte,  welchen  Gedanken ­
  Iphigeneia  hier  aussprechen  müsse,  ist  Kirchhoff,  dessen  kurze
von  Köchly  als  entschieden  falsch  bezeichnete  Bemerkung  „fort,  avroi?
  v.av.üc  npä&oiv“  werthvoller  ist  als  alle  übrigen  Erörterungen
und  Änderungen  dieser  Stelle.  Der  Gedanke,  den  die  Stelle  nach
Kirchhoff’s  Änderung  darbietet,  ist  ein  vollkommen  entsprechender;
durch  diese  Änderung  wird  die  sonst  unpassende  Bezeichnung  der
Fremdlinge  (toTgiv  svrvysarspois)  zu  einer  passenden,  indem  eben
')  Dieser  Grund  gilt  natürlich  vollständig  auch  gegen  die  handschriftliche
Überlieferung,  möge  sie  wie  immer  aufgefasst  werden,  sowie  auch  gegen
Hartung’s  und  Köchly’s  Conjecturen.
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