162
K v i c a 1 a
gen die causale Auffassung müsste man denselben Grund gelt end machen,
wie gegen die causale Auffassung der Überlieferung.
Die Einwendung, welche Hartung gegen aürot xaXcö g npa£avrsg
erhebt und luiclily wiederholt, ist ganz nichtig. Hartung sagt:
„Seidler hat richtig erkannt, dass der Aorist npa^avrsg fordert xalüg
zu schreiben, indem der Sinn sei, wenn sie sonstens glücklich
waren. Aber das sonstens olim setzen die Erklärer hinzu, während
es auch in den Worten vorhanden sein müsste, und das aürot
nehmen sie mit in den Kauf, während es überflüssig ist. Es muss
also ferner für aürot' entweder äXXors oder av$ig hergestellt werden“
I ). Doch dies „sonstens“ brauchte nicht hinzugefügt zu werden,
weil der Gegensatz zwischen der Zeitsphäre der Gegenwart
(duarv^sig) und der Vergangenheit (xaÄcüc -pdcavrsg, zumal da noch
aürot dabei steht) die Hinzufügung von nors oder rcäpog oder rö xpiv
ganz und gar überflüssig macht.
Aber andere Gründe sind gegen Seidler’s xalüg npek^avrsg geltend
zu machen. Die Sentenz, deren Wahrheit der Iphigeneia jetzt
lebhaft vor die Augen getreten ist, muss unbedingt vollkommen auf
den vorliegenden Fall passen. Würde das nicht der Fall sein, so wäre
Iphigeneia’s emphatische Versicherung xat roür’ äp fjv ähoSig, yo36-p.v?v,
ytAat lächerlich. Nun würde schon oi oüaru^stg, aürot xaXtög
npäfevrsg in diesem Contexte nicht ganz passend auf Iphigeneia
angewandt werden können. Allerdings war Iphigeneia früher einmal,
als sie noch im Palaste ihres Vaters weilte, glücklich, und jetzt gehört
sie zu den ovorw/üg. Insoweit wäre alles in Ordnung. Aber
<) Diese Vermuthung Hartung’s ist höchst unglücklich. Es ist vollständig unmöglich,
was Hartung für möglich hielt, bei aJ$ts von der Bedeutung
„vicissim“ zu der Bedeutung des Tausches eines früheren mit einem späteren
zu gelangen. Immer und ausnahmslos hat aöätc (sowie alle anderen
synonymen Wörter im Griechischen und in allen Sprachen), wo von einem
Wechsel die Bede ist (wie in Et)öatp.ov3i te xao5is oüx sudatpovsi), die Bedeutung,
dass das mit auStc eingeleitete das nachfolgende ist. Die
Glosse des Hesychios hat Hartung missverstanden. Gesetzt auch, dass in
derselben zu interpungiren wäre avBig, zraXtv, s’£ äpxik (es ist aber vielmehr
zu schreiben aö^tc, reäXtv s’£ apx?? wie Plat. Phaid. 108 B), so wäre
es doch sicher, dass Hesychios den Ausdruck il; ctpxvic nicht in dem Sinne
„von Anfang, sonst“ gebrauchen konnte, sondern in der Bedeutung „nochmals
vom Anfang“. Man würde Hesychios für zu einfältig halten, wenn
man annähme, dass er neben die richtige Erklärung trähv die falsche Erklärung
e’£ äp/vj? (in Hartung’s Sinne) gesetzt hat,