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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 53. Band, (Jahrgang 1866)

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K  v  i  c  a  I  a

Ist  nun  üUr-jva  das  Femininum  zu  so  bezeichnet  dies
Wort  natürlich  die  Artemis  nur  als  „Jägerin“,  nicht  „Erfinderin  der
Netze“.
Es  fragt  sich  nun  noch,  oh  Aütuvcc  oder  Awruvv«  die  richtige
Schreibung  ist.  Beide  Formen  sind  überliefert,  beide  sind  möglich;
man  entscheidet  sich  aber  allgemein  für  die  letztere,  die  sich  auch
auf  einer  alten  Münze  findet.  Ich  halte  aber  vielmehr  AUruva  (ü)  für
richtig.  Die  Analogie  von  ßxaihvvtx,  Köpivvcc  u.  a.  ähnlichen  Formen
ist  hier  nicht  zulässig,  .weil  dies  äolische  Formen  sind.  Im  äolischen ­
  Dialekt  wurde  allerdings  regelmässig  vj  in  vv  verwandelt;  dagegen ­
  haben  die  anderen  Dialekte  in  diesem  Falle  die  Metathese  des
j  (i)  in  die  vorausgehende  Sylbe  eintreten  lassen.  Nun  ist  aber  das  in
Rede  stehende  Wort  notorisch  kretischen  (also  dorischen)  Ursprungs,
wie  überhaupt  die  Heimat  des  Artemiscultus  Kreta  und  der  Name
’'Aprspt?  selbst  kretisch  zu  sein  scheint;  es  scheint  demnach  unstatthaft ­
  zu  sein,  jenes  dorische  Wort  nach  einem  äolischen  Spracligesetze
  zu  behandeln;  man  wird  vielmehr,  wie  sich  die  Schreibung
’Epivü?  (Skt.  Saranjüs;  vgl.  Kuhn,  Ztsehft.  f.  vgl.  Spr.  I,  439  IT.)  in
neuerer  Zeit  allgemeine  Geltung  verschafft  hat,  auch  Acxrvva  zu
schreiben  haben.
Ich  habe  gesagt,  dass  der  Name  Artemis  selbst  kretischen  Ursprungs ­
  zu  sein  scheint  und  benutze  diese  Gelegenheit,  um  meine
Ansicht  über  dies  Wort  aufzustellen.  Die  ältere  Form  ist  natürlich
''Apraptj,  die,  wie  bezeugt  wird,  bei  den  Doriern  gebräuchlich  war.
Ich  glaube  nun,  dass  "Api-apt?  nichts  anderes  ist  als  der  zweite  Theil
des  kretischen  Namens  Bpiröpaprt?  und  dass  Aprspts  „Jungfrau“
bedeutet.  Solinus  (c.  XVII)  sagt:  „Cretes  Dianam  religiosissime  venerantur,
  Britomartin  generaliter  nominantes,  quod  sermone  nostro
sonat  virginem  dulcem“.  An  der  Richtigkeit  dieser  Angabe  ist  nicht
zu  zweifeln.  Dass  der  erste  Theil  des  Wortes  „dulcis“  bedeutet,
wird  durch  Hesychios  (j3piru  ylvxv  Kpr,-£c)  bestätigt,  sowie  die  Bedeutung, ­
  die  nach  Solinus  dem  zweiten  Theile  (papng)  zukommt,
ihre  Bestätigung  durch  Steph.  Byz.  erhält,  der  (v.  Tä£a)  sagt,  dass
die  Jungfrau  bei  den  Kretern  päpva  hiess.  Martis  erfuhr  nun  zunächst ­
  bei  anderen  Griechen  die  Prothesis  eines  a.  Die  Prothesis
eines  Vocals  findet  sich  ja  nicht  bloss,  wenn  ein  Wort  mit  mehreren
Consonanten  anlautet,  sondern  auch  nicht  selten  bei  einfachem  consonantischem
  Anlaute.  Curtius  (Etym.  II,  297)  führt  für  die  Prothe-
            
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