Euripideische Studien.
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Doch muss ich gestehen, dass mich die von mir früher verteidigte
Ansicht, dass der Satz dllä. — Evau<7roÄvj<7ap.ev als Fragesatz
aufzufassen ist, nicht mehr befriedigt. Ich habe es unpassend genannt,
wenn der Dichter den Orestes eine directe Aufforderung zur Flucht
aussprechen Hesse, weil dadurch Orestes als Feigling erschiene, während
Euripides sonst seinen Charakter mit unverkennbarer Vorliebe
zeichnet. Dieser Grund, den auch Bergk wiederholt, erscheint mir
jetzt nicht mehr stichhaltig. Schon Köchly >) bemerkt richtig: „Es
kommt ihm um so eher zu, von einem tolldreisten Wagnisse abzurathen,
als ja das ganze gefährliche Abenteuer lediglich zu seiner Rettung
unternommen worden ist und Pylades nur als treuer Freund sich
an ihn angeschlossen hat.... Wenn daher auch Orestes im Ernste
daran dächte, das ganze Unternehmen aufzugeben, so wäre er noch
lange kein „Feigling“, da er ja dann nach wie vor den Erinnyen preisgegeben
bliebe — ein Schicksal schlimmer als der Tod“. Die Hauptsache
aber ist folgendes. Orestes ist gegen Apollon misstrauisch und erbittert
(vgl. V. 77); und so erscheint es mir denn mit Berücksichtigung
dieser Stimmung des Orestes sehr natürlich, dass er, wie er dem
Apollon zu Anfang seiner Rede den bitteren Vorwurf macht tzui p.’ au
vfjvd' ig äf/y.uv fjyaysg ypriaag, so auch hier am Schluss der Rede
seinem Misstrauen einen entschiedenen Ausdruck gibt und zur Umkehr
auffordert, weil er glaubt, dass Apollon ihm absichtlich jenen
Befehl ertheilte, damit er seinen Tod fände; er meint eben in seiner
Erbitterung und in seinem .Misstrauen (welches noch gesteigert wurde,
da ihn der Augenschein über die Schwierigkeit, ja Unausführbarkeit
des Unternehmens belehrte), dass Apollon ihn, wie er ihn vor
den Erinnyen nicht schützte, obzwar er nur in seinem Aufträge handelte,
jetzt eben so wenig vor dem Tode schützen werde. Wenn nun
Orestes die directe Aufforderung zur Flucht ausspricht, so braucht er
deshalb noch kein Feigling zu sein, er will nur nicht ein Spielball des
Gottes sein, der es, wie er glaubte, darauf abgesehen zu haben schien,
ihn aus einem Unglück in das andere zu stürzen. •
Lassen wir also getrost den Orestes ysOycopev als adhortativen
Conjunetiv aussprechen. Wir gewinnen dadurch einen passenden
Abschluss der Rede des Orestes, wir brauchen dann nicht zu der Annahme
zu greifen, dass Orestes noch weiter reden wollte, aber von
i) Freilich lipst auch er den Satz als Fragesatz.
Sitzb. d. phil.-hist. CI. LUI. Bd. I. Hft
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