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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 53. Band, (Jahrgang 1866)

Euripideische  Studien.

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Doch  muss  ich  gestehen,  dass  mich  die  von  mir  früher  verteidigte ­
  Ansicht,  dass  der  Satz  dllä.  —  Evau<7roÄvj<7ap.ev  als  Fragesatz
aufzufassen  ist,  nicht  mehr  befriedigt.  Ich  habe  es  unpassend  genannt,
wenn  der  Dichter  den  Orestes  eine  directe  Aufforderung  zur  Flucht
aussprechen  Hesse,  weil  dadurch  Orestes  als  Feigling  erschiene,  während ­
  Euripides  sonst  seinen  Charakter  mit  unverkennbarer  Vorliebe
zeichnet.  Dieser  Grund,  den  auch  Bergk  wiederholt,  erscheint  mir
jetzt  nicht  mehr  stichhaltig.  Schon  Köchly  >)  bemerkt  richtig:  „Es
kommt  ihm  um  so  eher  zu,  von  einem  tolldreisten  Wagnisse  abzurathen,
  als  ja  das  ganze  gefährliche  Abenteuer  lediglich  zu  seiner  Rettung ­
  unternommen  worden  ist  und  Pylades  nur  als  treuer  Freund  sich
an  ihn  angeschlossen  hat....  Wenn  daher  auch  Orestes  im  Ernste
daran  dächte,  das  ganze  Unternehmen  aufzugeben,  so  wäre  er  noch
lange  kein  „Feigling“,  da  er  ja  dann  nach  wie  vor  den  Erinnyen  preisgegeben ­
  bliebe  —  ein  Schicksal  schlimmer  als  der  Tod“.  Die  Hauptsache
aber  ist  folgendes.  Orestes  ist  gegen  Apollon  misstrauisch  und  erbittert
(vgl.  V.  77);  und  so  erscheint  es  mir  denn  mit  Berücksichtigung
dieser  Stimmung  des  Orestes  sehr  natürlich,  dass  er,  wie  er  dem
Apollon  zu  Anfang  seiner  Rede  den  bitteren  Vorwurf  macht  tzui  p.’  au
vfjvd'  ig  äf/y.uv  fjyaysg  ypriaag,  so  auch  hier  am  Schluss  der  Rede
seinem  Misstrauen  einen  entschiedenen  Ausdruck  gibt  und  zur  Umkehr ­
  auffordert,  weil  er  glaubt,  dass  Apollon  ihm  absichtlich  jenen
Befehl  ertheilte,  damit  er  seinen  Tod  fände;  er  meint  eben  in  seiner
Erbitterung  und  in  seinem  .Misstrauen  (welches  noch  gesteigert  wurde, ­
  da  ihn  der  Augenschein  über  die  Schwierigkeit,  ja  Unausführbarkeit ­
  des  Unternehmens  belehrte),  dass  Apollon  ihn,  wie  er  ihn  vor
den  Erinnyen  nicht  schützte,  obzwar  er  nur  in  seinem  Aufträge  handelte, ­
  jetzt  eben  so  wenig  vor  dem  Tode  schützen  werde.  Wenn  nun
Orestes  die  directe  Aufforderung  zur  Flucht  ausspricht,  so  braucht  er
deshalb  noch  kein  Feigling  zu  sein,  er  will  nur  nicht  ein  Spielball  des
Gottes  sein,  der  es,  wie  er  glaubte,  darauf  abgesehen  zu  haben  schien,
ihn  aus  einem  Unglück  in  das  andere  zu  stürzen.  •
Lassen  wir  also  getrost  den  Orestes  ysOycopev  als  adhortativen
Conjunetiv  aussprechen.  Wir  gewinnen  dadurch  einen  passenden
Abschluss  der  Rede  des  Orestes,  wir  brauchen  dann  nicht  zu  der  Annahme ­
  zu  greifen,  dass  Orestes  noch  weiter  reden  wollte,  aber  von

i)  Freilich  lipst  auch  er  den  Satz  als  Fragesatz.
Sitzb.  d.  phil.-hist.  CI.  LUI.  Bd.  I.  Hft

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