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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 53. Band, (Jahrgang 1866)

Euripideische  Studien.

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durchweg  älter  als  Orestes,  wodurch  man  denn  von  selbst  sich  veranlasst ­
  fand,  auch  Pylades,  dem  Elektra  zum  Weibe  gegeben  wurde,
sich  eher  älter  als  jünger  im  Vergleiche  zu  Orestes  zu  denken.  Folglich ­
  musste  Euripides  durch  eine  ausdrückliche  Äusserung  das  Publikum ­
  veranlassen,  sich  den  Pylades  jünger  zu  denken,  weil  das  Publikum ­
  ohne  eine  solche  ausdrückliche  Äusserung  eher  das  Gegentheil
angenommen  und  folglich  sich  gewundert  haben  würde,  warum  Iphigeneia
  den  Pylades,  dessen  Namen  sie  erfährt,  nicht  als  Verwandten
begrüsste.  Dies  ist  der  Grund,  der  den  Dichter  bewog,  diese  Verse
hier  einzuschieben.
Wenn  es  nun  aber  auch  erklärlich  ist,  warum  Euripides  diese
Verse  der  Iphigeneia  in  den  Mund  gelegt  bat  (sie  sind  eben  eine  auf
Orientirung  der  Zuhörer  berechnete  Notiz),  so  muss  man  sie  dennoch
aus  den  angegebenen  Gründen  abgeschmackt  finden.  Die  Erwähnung
der  Kinderlosigkeit  des  Strophios  ist  eben  nicht  innerlich  motiviert;
es  gilt  hier,  wie  in  vielen  ähnlichen  Fällen  bei  Euripides,  der  Ausspruch ­
  „man  merkt  die  Absicht  und  wird  verstimmt“,  da  sich  die
Absicht  ungeschickt  verräth.  Euripides  hätte,  was  er  den  Zuhörern
durch  den  Mund  der  Iphigeneia  mittheilen  wollte,  auf  eine  gegen  das
Grundgesetz  innerlicher  Wahrscheinlichkeit  nicht  verstossende  Weise
mittheilen  oder  aber  die  Nennung  des  Pylades  (277)  und  die  darauf
bezügliche  Frage  der  Iphigeneia  (480  f.)  weglasseu  sollen.
In  passender  und  der  Wahrscheinlichkeit  nicht  widersprechender ­
  Weise  wird  dieselbe  Notiz  V.  895  f.  (Id»,  owe  rjv  rö£’  ovrog  ore
TrccTrjp  i'y.TSivs  p.s.  OP.  ovx  r,v  •  y_p6vc,y  ’jdp  Srpo^to?  f,v  äaca.g  rtvä)
gegeben.  Man  darf  daraus  natürlich  nicht  mit  Köchly  schliessen,
dass  V.  59  f.,  weil  sie  ihrem  Inhalt  nach  mit  895  f.  übereinstimmen,
unecht  seien.  Das  Publikum  musste  schon  früher  einen  Wink  erhalten, ­
  dass  es  sich  den  Pylades  jünger  als  Orestes  zu  denken  habe.
Den  Grund  der  nochmaligen  nachträglichen  Hervorhebung  desselben
Punktes  hat  man  wohl  darin  zu  erblicken,  dass  die  gewöhnliche  Ansicht ­
  der  Griechen  über  diesen  Punkt  eine  andere  war  und  dass  somit
Euripides  das  Bedürfnis  fühlte,  nochmals  darauf  zurückzukommen.
Schliesslich  muss  ich  noch  bemerken,  dass  die  sprachlichen
Bedenken,  welche  Köchly  als  Gründe  für  die  Annahme  anführt,  dass
V.  59  f.  interpolirt  seien,  ganz  ungerechtfertigt  sind.  Er  meint,  dass
statt  tp'ilovg  wenigstens  uuy'/svsts  hätte  gesagt  werden  müssen,  wobei
er  also  übersah,  dass  y/Xo?  namentlich  im  Plural  nicht  selten  auch
            
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