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Pfeiffer
stossen werden, steht auch die Echtheit des Liedes aufrecht, und so
lange wollen wir uns des neugewonnenen geretteten freuen.
Gewähren uns die beiden Merseburger Sprüche wichtige Aufschlüsse
über den Glauben und die Gottheiten der heidnischen Vorzeit,
so ist dies bei unserem Schlummerliede nicht nur in gleichem
Masse der Fall, sondern es eröffnet uns einen schönen Blick in das
Familienleben unserer Vorfahren, von dem wir Ausführliches wenig
genug wissen. Es ist ein liebliches, anmuthiges Bild, das uns hier
vor Augen gerückt wird. Wir sehen die liebevolle zärtliche Mutter,
wie sie, ihr Kind in den Schlaf singend, ihm die süssesten Schmeichelnamen
gibt: Püppchen, Söhnchen, Liebling des Mannes. Es sind keine
Drohworte und Schreckbilder, womit sie (wie es später vielfach Sitte
wurde und es leider häufig noch ist) das Kind zu schweigen sucht, sondern
freundliches Zureden und Versprechungen von Kuchen, Blumen,
Schäfchen und — wie es für den Sohn einer kriegerischen jagdlustigen
Zeit sich ziemt — schlanke Speere und Wurfgeschosse. Die Göttinnen,
welche in den verdunkelten Erinnerungen des Volkes allmählich
zu Popanzen, zu Spuckgestalten und Gespenstern wurden, sind hier
noch milde, huldreiche, gnädig gesinnte Frauengestalten, die, freundlich
an die Wiege des jungen unschuldigen Lebens herantretend, es
mit seinen Gaben überschütten. Es ist dies Denkmal der Poesie eines
der wichtigsten und werthvollsten, die eine wunderbare Schickung
aus alter Zeit an uns hat gelangen lassen.