Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 52. Band, (Jahrgang 1866)

78

Pfeiffer

Diese  gotli.  mp  haften  auch  altsächs.  und  ags.,  doch  wird  in  diesen
letztem  das  n  ausgestossen  und  mit  verlängertem  Yocal  gesprochen:
haf,  fif.  Ein  goth.  Thanfana  hätte  ahd.  zu  lauten  Danfana,  alts.
Th(Ifann,  ags.  Thäfene.  Nun  fällt  unmöglich  Thanfana  aus  den
gothischen,  Danfana  aus  den  hochdeutschen,  Thäfana  aus  den  alts.
Quellen  gegenwärtig  zu  deuten.  Nur  der  reichere  ags.  Sprachvorrath
überliefert  ein  auch  im  spätem  Englisch  erloschenes  pafian,  gapafian,
welches  goth.  panfjan,  ahd.  denfan  lauten  würde  und  consentire,
juvare,  favere  aussagt.  Das  Subst.  pdfa  bedeutet  fautor,  adjutor,
ein  entsprechendes  Fern,  päfene  würde  fautrix,  adjutrix  aussagen.
Tanfana  wäre  also  der  Name  einer  holden,  günstigen,  gnädigen
Göttin.  —  Wie  aber  zu  fassen  ist  die  uns  nunmehr  überlieferte
Gestalt  Zanfana?  *  muss  überall  und  nothwendig  als  fortgeschobne
Tenuis  betrachtet  werden;  alle  unsere  heutigen  *  sind  aus  den  t  der
frühem  Lautstufe  herzuleiten,  ihnen  aber  lässt  sieh  die  Aspirata  von
Zanfana  nicht  gleichstellen,  da  sie  nicht  auf  gelehrtem  Wege  auf  das
lat.  Tanfana  zurückzuführen  sein  wird,  vielmehr  volksmassig  aus
deutschem  Thanfana  selbst  geworden  sein  muss,  wahrscheinlich  schon
in  sehr  früher  Zeit.  Aus  Greg.  Turon.  5,  44  wissen  wir,  dass  bereits
im  6.  Jahrh.  König  Chilperich  *  für  th  einführen  wollte,  und  die
lispelnde  Aussprache  des  griech.  0,  des  altn.,  ags.  und  noch  engl,  th
nähert  sich  unmittelbar  der  des  hd.  *.  So  wurde  auch  der  nord.
Name  Thorgils  in  alamannischen  Klöstern  Zurgils  geschrieben
(s.  Gesch.  der  D.  Sprache  S.  395)  und  so  ein  *  steht  auch  in
Zanfana  für  Thanfana.  —  Zanfana  sendet  morgen  fette  kleine
Lämmer:  in  dem  Hain  um  ihren  Sitz  hatte  die  Göttin  Schafe  weiden,
sie  ist,  wie  das  Wort  selbst  ausdrückt,  hold  und  hilfreich  (comis,
favens,  benigna);  ihr  Name  gemahnt  an  die  gleiche  Bildung  von
Hludana  (Huldana)  und  Berlitana,  nach  altfränkischer  Namensform;
im  Verlauf  der  Zeit  kürzten  sie  sich  in  Hulda  und  Berhta,  und  nicht
unmöglich  wäre,  dass  Zanfana  in  späterer  Überlieferung  in  Stempfe
(Stempe)  entstellt  wurde.“  Welche  von  diesen  beiden  Deutungen
oder  ob  überhaupt  eine  davon  zutrifft,  muss  ich  auf  sich  beruhen
lassen,  nur  das  will  ich  hier  hervorheben,  dass  Grimm  schon  in  der
Mythologie  S.  256  die  in  dem  bekannten  Gedicht  (s.  Gesammtabenteuer
  3,  29  ff.)  vorkommende  Stempe  mit  der  Tanfana  in
Verbindung  gebracht  und  das  anlautende  s  alsProsthesis  zu  betrachten
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.